Montag, 22. Februar 2016

Gedanken zwischendurch - Islandprojekt Teil 11

Besuch im rekonstruierten Hof von Eiríksstaðir
Text: Marianne G.

Während ich sitze und geduldig Stich für Stich mache, schweifen die
Gedanken. Ich sitze in einem geräumigen Atelier, gut beheizt und
beleuchtet, habe Zentimetermaß, Stecknadeln und Scheren. Und einen großen
Tisch.

Aber wie haben die isländischen Vormütter gearbeitet? Traditionell aßen,
lasen und arbeiteten die Isländer auf der Bettkante sitzend, für Tische
war in den kleinen Torfhäusern kein Platz. Außerdem war Holz
ausgesprochene Mangelware und wurde eher zum Bauen benötigt. Beleuchtung
waren ganz früher Tranlampen, später Petroleumlampen. Strom kam hier
mancherorts erst in den 40-50ern.

In der Zeit unserer Darstellung kann man sich vorstellen, daß man statt
Zentimetermaß einfach einen Faden benutzte, statt Stecknadeln Fischgräten
(große, vom Dorsch), den Schnitt von einem aufgetrennten alten
Kleidungsstück. Sehr interessant ist die Vermutung von Else Østergård, daß
in den isländischen Siedlungen in Grönland eine ausgehängte Tür als
Zuschneidetische benutzt wurde (Østergård, Woven into the Earth 2004:94),
die Näharbeiten kann man ja sitzend  auf dem Bett verrichten.

Zur Landnahmezeit in Island gab es schon Scheren wie heute, also
Gelenkscheren, allerdings waren sie kleiner als die Bügelscheren, die man
zum Schafescheren benutzt. Diese kleinen Gelenkscheren von ca 14 cm Länge
waren wohl eher zum Haareschneiden geeignet und die größeren Bügelscheren
zum Schneiden der dicken vaðmál Stoffe.

Nähnadeln aus Metall, meist Bronze, waren eine Kostbarkeit, die man in
Nadeldosen aus Metall, Knochen, Federkielen oder Schwanenfüßen
aufbewahrte. Um die Nadeln spitz zu halten, wurden sie mit kleinen
Wetzsteinen geschärft, die an einem Ende durchlocht waren und  am Gürtel
aufgehängt werden konnten.

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