Sonntag, 27. Oktober 2019

Time is fleeting.....

Das Jahr war bisher angefüllt mit Arbeit, allerdings war es nix Spannendes, sondern das eher routinemäßige.
Eine schöne Aufgabe hatte ich allerdings über Wulf Hein, Archäotechnik.

Er hat für das Hegau-Museum in Singen, Hohentwiel einen Gewichtswebstuhl für den eisenzeitlichen Bereich im Museum gebaut und ich hatte den Auftrag ihn zu bespannen und abzuliefern. Hier gibt es einige Bilder dazu.









Samstag, 10. November 2018

4. Handgesponnenes

Jetzt ging es ans Eingemachte. 500 g handgesponnenes Garn, überwiegend aus tog, dem stabilen Deckhaar der Islandschafe wurde zu einer 2,80 m langen Kette geschärt, wir beim Versuch auf eine Breite von 90 cm, also insgesamt 908 Kettfäden (Randfäden doppelt).


Das Kettgarn war stark überdreht und hatte auch nach demAblängen auf dem Schärbaum noch die Tendenz sich einzudrehen, daher wurde es besprüht und über Nacht ruhen gelassen. Das half ein wenig, allerdings war die Tendenz zum Einrollen auch beim Aufbäumen (Aufrollen auf den Kettbaum) erkennbar und hinderlich. Notiz an mich: stark überdrehtes Garn auf dem Gewichtswebstuhl ausprobieren.




 Nachdem das Kettgarn schön ordentlich in die Litzen und den Kamm gebracht war,konnte man schon bei den ersten Schussgarneinträgen erkennen, dass es sich nicht so widerstandlos wie das maschinengesponnene verweben lassen würde. Also wurde wieder wie beim Hängerockstoff eine Schlichte aus Stärke, Öl und Waser gekocht und mit Hilfe einer Bürste auf die Kette aufgebracht. Das musste jeweils eine Nacht durchtrocknen, so dass mir genügend Zeit blieb, das noch fehlende Schussgarn nachzuspinnen.
Trotz der Schlichte gab es viele Kettfadenbrüche und einer meiner Ziele für das kommende Jahr wird sein ein kettfähiges Garn spinnen zu lernen.
Zwischendurch war ich so frustriert, dass ich alles vom Webstuhl schneiden wollte, habe dann aber mich doch durchgebissen und konnte dann in der vorletzten Aufenthaltswoche den Stoff vom Webstuhl nehmen.




Der Stoff wurde zuerst gewaschen um die Reste der Schlichte aus dem Gewebe zu spülen und dann gebügelt. Im Fundgut der Wikingerzeit finden sich übrigens auch Glättbretter mit Glättsteinen meist aus Glas.
Zu den Glättsteinen gibt es die Theorie, dass sie erhitzt verwendet wurden, aber nach dem Hinweis und der Diskussion mit einer Kollegin haben wir beide zur der Theorie des Erwärmens keine Antwort auf die Frage gefunden, wie erhitzte Glättsteine wohl gehalten werden konnten.
Die Brettchenborte werde ich daheim anweben, wahrscheinlich wird die andere Seite nur umgnäht,
ich bin mit der Idee von Fransen an Umschlagtüchern nicht glücklich.
Das Tuch wird auch daheim noch mit Waid gefärbt, die Töpfe im dyers studio war mit etwas zu klein.

Zum schluss aber hier noch der interessante Vergleich zwischen dem Stoff aus maschinengesponnenem Garn und dem aus handgesponnenem. Es besteht schon ein großer Unterschied sowohl ind der Optik wie auch in der Haptik. Leider kommt das auf dem Foto nicht ganz so überzeugend raus, aber der Unterschied ist in real deutlich auch auf mehrere m Entfernung zu erkennen.


Freitag, 12. Oktober 2018

3. Versuche

3. Versuche

Nach den Vorüberlegungen ging es an erste Versuche, die ich mit industriegesponnenem Garn ausführte. Dazu gabs in meinem Fundus ein 6/1 Nm Garn für die Kette, das im Griff und der Textur stark an Islandgarn erinnert und für den Schuss ein Islandgarn mit Nm 4,5/1 in grau und weiss. Grau deshalb, weil man bei andersfarbigem kontrastierendem Garn besser vergleichen kann, ob und wie es dem Original entspricht.

Die Kette hatte ich kurz vor dem Abflug noch zu Hause geschärt und nach der Ankunft war sie hier auch ziemlich schnell auf dem Webstuhl und angewebt. Dazu muss ich noch bemerken, dass es im Textilsetur keinen Gewichtswebstuhl gibt und die Zeit auch wahrscheinlich nicht ausgereicht hätte, diese Arbeit auf dem GWS herzustellen. Deshalb wurden alle Arbeiten auf den etwa 90jährigen Trittwebstühlen der Kvennaskolinn hergestellt.

Der erste Teil in Grau entsprach durchaus meinen Vorstellungen, was den Steilgrat beim Fischgrätköper angeht und die Dichte des Schusses. Daheim am eigenen Computer werde ich später nochmal versuchen die Fotos von Original und Nacharbeitung nebeneinander in einer Collage zu zeigen.



Die Grösse sollte bei den beiden Teilen etwa 100 x 170 bzw. 100 cm betragen, leider hatte ich mich vermessen, so dass der erste Stoff nur 140 cm war, der zweite dafür 20 cm länger als geplant.
Für den zweifarbigen Stoff gab es dann noch eine Starterborte aus einem schmalen Brettchengewebe, wie sie für Stoffe vom Gewichtswebstuhl neben Ripskanten, Starterschnüre oder auch nur einfachen Schlaufen üblich war.  



Die andere Seite erhielt Fransen.
Anschliessend gab es einen Tragetest am Strand, für den sich freundlicherweise Susanne zur Verfügung gestellt hat. Sie trägt eine wikingerzeitliche Bekleidung, die an die dänischen Funde angelehnt ist und erstmal nix mit den isländischen zu tun hat - es geht hier rein um die Praktikabilität des Schultertuches mit seiner Befestigung an der Fibel.
Das erste Foto zeigt die Trageweise mit einer Fibel, die das Schultertuch auf der Brust verschliesst.

Hier jetzt die vermutete Trageweise mit der Befestigung auf den Schultern durch die Fibel, was sich als durchaus praktikabel herausstellte.



Hier noch einmal eine Grossaufnahme und ebenfalls in gross die beiden Löcher die die Fibelnadel verursacht.










Freitag, 5. Oktober 2018

2. Der Fund und meine Überlegungen dazu



2. Das Textil

In der Ausstellungsvitrine der blauen Frau, wie ich sie jetzt hier in Zukunft nennen werde, befand sich neben dem Brettchenband mit dem Rest des Trägerrocks auch obiges Textil. Es handelt sich dabei um ein Stück in Fischgrätbindung, das ebenfalls Löcher durch die Nadel der Ovalfibel aufweist. Es fand in der Veröffentlichung keine Erwähnung und war wohl ursprünglich auch in der Vitrine nicht mit dabei, sondern wurde nachträglich dazugelegt.
Nach Rücksprache mit Michele Hayeur handelt es sich um ein Stück, das ebenfalls durch die Lage in der Ovalfibel erhalten wurde. Bei der Untersuchung stellte sie folgende Schichtung fest: unterste (körpernahe) Lage Leinen, darüber eine Schicht Diamantköper mit Brettchenband, und als oberste Schicht der Fischgrät. Er wurde im Rahmen der Veröffentlichung nicht weiter untersucht, Michele Hayeur konnte mir insoweit helfen, dass sie in etwa die Fadendichte auf 10x11 cm beschrieb. Die Funktion des Textils liess sich aus wissenschaftlicher Sicht (noch) nicht weiter bestimmen.
Als reproduzierender Laie steht mir natürlich das Feld der Vermutungen offen und ich fragte mich, zu welchem Kleidungsstück der Textilrest evtl gehört haben könnte. Spontan fiel mir dabei ein Schultertuch ein, wie es  in verschiedenen Zusammenhängen Erwähnung findet.
Die genauen Quellen muss ich nachreichen, da ich hier in Island natürlich nicht meine Bilbliothek zur Verfügung und meine Notizen dummerweise zu Haus liegengelassen habe.
Meine Vermutung stützt sich auf folgende Merkmale:
Lage als oberste Schicht in der Fibel
eine andere Bindung als beim Hängerock
Benutzung im Zusammenhang mit der Fibel
Einige der modernen Darstellerinnen mit wikingerzeitlichem Bezug halten ihre Schultertücher mit den Fibeln auf den Schultern, so dass sie nicht verrutschen können, aus rein praktischen Erwägungen wäre also eine solche Trageweise möglich.
Dafür spricht auch die Webkante, die sich recht dicht neben den von der Fibelnadel hinterlassenen Löchern im Stoff befindet.

Auf dem Foto erkennt man recht gut die Löcher der Fibelnadel sowie am linken Rand die umkehrenden Schussfäden und die dadurch entstehende Webkante, vor allem im Bereich in dem die  Kettfäden vergangen sind.
Auf dem Bild ist ebenfalls gut zu erkennen, dass die Schussfäden dicker als die Kettfäden sind und bei höchst möglicher Vergrösserung ebenfalls, dass Schuss und Kette z-gesponnen sind. 
Für die bevorstehende Arbeit hatte ich also genügend Eckdaten und konnte mit den Vorbereitungen beginnen.

Mittwoch, 3. Oktober 2018

1. Landnahmezeitliches Umschlagtuch - der Versuch einer Rekonstruktion

Überlegungen für eine Rekonstruktion eines Schultertuches im wikingerzeitlichen Kontext

Kapitel 1 Vorüberlegungen Im Rahmen meines geplanten Aufenthaltes im Textil Setur in Island machte ich mir Gedanken über eine Arbeit, die ich dort am Webstuhl umsetzen wollte. Vor 2 Jahren hatte ich dort zusammen mit Marianne das Schürzenkleid der Frau in Blau reproduziert, das heißt wir hatten zusammen gearbeitet und haben gesponnen gefärbt und gewebt und schlussendlich aus dem gewonnenen Stoff das Schürzenkleid bzw Trägerrock einer wikingerzeitlichen Frau genäht. Siehe auch hier

In der Zwischenzeit haben wir mehrfach über die Herstellung und die Probleme dabei referiert. Auch durch die Veröffentlichung auf der Northern Women site The woman dressed in Blue wurde ein kanadischer Filmemacher auf die Arbeit aufmerksam. Er möchte nächstes Jahr einen Film über die blaue Frau drehen, erste Gespräche mit Marianne haben darüber schon stattgefunden.

Im Zuge dieser Vorgespräche nahm ich Kontakt mit Michelle Hayeur auf, die die Textilien der blauen Frau untersucht und in dem Begleitband zur Sonderausstellung im Nationalmuseum Reykjavík vorgestellt hatte.
https://northernwomen.org/project-2/
Sie hat ebenfalls viele andere Textilien Island untersucht.  In Rücksprache mit ihr habe ich mich nun dazu entschlossen, mich näher einem Teil der Textilfunde zu widmen, der nicht im Begleitband vorgestellt werden konnte, der aber aktuell in der Ausstellung der blauen Frau zu sehen ist und so auch von mir fotografiert werden konnte. In der Diskussion mit Michele Hayeur kam ich zu der Vermutung, dass es sich hier um Umschlagtuch handeln könnte.  Der Stoffrest lag oberhalb des Brettchen gewebten Bandes in der Fibel, muss also irgendwie zur Bekleidung der Frau gehört haben. Im Stoff sind deutliche Löcher zu erkennen, die von der Nadel einer Fibel herrühren könnten.  In den nächsten vier Wochen werde ich mich also weiter mit diesem Textilrest beschäftigen.

Weiter zu Teil 2

Mittwoch, 19. September 2018

Wollgarn - eine Welt für sich II

Hier ein kurzer Exkurs in die Wirkung unterschiedlicher Garne.
Von einem Webprojekt hatte ich etwas Kette übrig und wollte einfach die Wirkung verschiedener Garn ausprobieren.



Hier vonoben nach unten:
isländisches Einband 4,5/1, braun
isländisches Einband 4,5/1, beige
Dochtgarn 2/1, grau
isländisches Einband 4,5/1, schwarz
isländisches Einband 4,5/1, hellgrau
isländisches Einband 4,5/1, dunkelgrau
gezwirntes Wollgarn 7/2, weiß
isländisches Einband 4,5/1, weiß
isländisches Einband 4,5/1, mittelgrau



 Hier sieht man sehr schön die Unterschiede zwischen gezwirntem Garn (oben) und Einfachgarn.
Und hier ist auch sehr deutlich zu erkennen, dass der sogenannte Köpergrat (die schräge Linie, die sich durch die Bindung ergibt) verändert, wenn sich die Dicke des Garns verändert, oben ein Einfachgarn, das etwa doppelt so dick ist wie das Garn unten.
Der Köpergrat wird steiler oder flacher je nach Garn, eine häufig beobachtete Besonderheit bei  historischen Textilfunden.

Montag, 3. September 2018

Wollgarn - eine Welt für sich



Angeregt durch mehrere Unterhaltungen und Diskussionen, aber auch durch die Probleme passendes Wollgarn für bestimmte Projekte zu bekommen, will ich hier in drei Abschnitten mein Wissen über Wollgarn mit euch teilen.
1. Technische Begriffe
2. Geschichtlicher Abriss
3. Passendes Garn zum passenden Projekt

Heute geht es nur um die Begriffe und technische Ausdrucksklärung. Bei wikipedia bekommen wir einen ersten Eindruck ins Thema:
Garn bei Wikipedia
und da stoßen wir dann auch auf die erste Verwirrung. Laut des Artikels wird ein Garn tierischer Herkunft auch als Wolle bezeichnet. Nein, liebes Wikipedia, das hat sich vielleicht (falsch) so eingebürgert, stimmt aber so nicht.
Es begegnet uns allenthalben, dass Garn, auch nicht tierischen Ursprungs, als Wolle bezeichnet wird.
Wolle vom Islandschaf

Wolle ist aber erstmal nur der Begriff für eine Faser von Tieren (auch hier ist Wikipedia nützlich: https://de.wikipedia.org/wiki/Wolle), und damit wird nichts über die Form der Fasern ausgesagt, liegt sie nur in unbearbeiteter, gesponnener, gefilzter, gekämmter oder was auch immer vor.
Rechtlich gesehen darf nach dem Textilkennzeichnungsgesetzt auch nur die Faser Wolle genannt werden, die vom Schaf (ovis aries) stammen oder ein Gemisch mit anderen Haaren von Tieren.
Quelle: Textilkennzeichnung
Wird die Faser gesponnen, entsteht daraus ein Garn. Vorher kann die Faser noch verschiedene Arbeitsschritte durchlaufen: waschen, aufreißen, kämmen, kardieren, die alle einen Einfluss auf das spätere Garn haben können.

Hat die Faser den Spinnprozess durchlaufen, ensteht ein mehr oder weniger dickes Einfach-Garn, das entweder recht- oder links gedreht ist. Dabei handelt es sich um die häufig erwähnte Spinnrichtung. Hier rechts im Bild liegt ein Garn mit einer Rechtsdrehung, in wissenschaftlichen Berichten z-Spinnrichtung genannt, weil die Drehung dem mittleren Balken eines Z entspricht, im Gegensatz zur s-Spinnrichtung mit einer Linksdrehung.
Bei dem Garn rechts handelt es sich um ein sogenanntes Streichgarn, die Wolle wurde vorher kardiert, die einzelnen Fasern liegen nicht alle parallel, deshalb ist das Garn nicht glatt, sondern haarig, einzelne Fasern stehen heraus. Außerdem hat es nur einen schwachen Drall von etwa 15° bis 25 °, bei 0° lägen die Fasern parallel zueinander (gemessen zur Senkrechten)



 Werden nun zwei oder mehr Einfach-Garne in der entgegengesetzten Richtung zusammengesponnen, nennt man das neu entstandene Garn Zwirn. Zwei z-gesponnene Garne ergeben also einen s-Zwirn und andersrum.
Zwirn aus zwei Fäden
Zwirn aus drei Fäden

















Garnstärken: Da man für verschiedene Projekte verschiedene Garnstärken braucht, gibt es natürlich auch Garne in verschiedenen Dicken. Um es in der modernen Welt zu normieren, wurden Messbezeichnungen erfunden. Für Wollgarn wird heute meist das Nm-System benutzt, das für numerisch-metrisch steht und mit dem die Lauflänge aufs Gewicht berechnet wird..
Um die Nm-Stärke eines Garnes zu errechnen, misst man die Meter auf ein Gramm. NM 3 heißt also:
3 Meter des Garns wiegen 1 Gramm. Auf ein kg sind das dann 3000 m, auf 50 g (was dem handelsüblichen Gewicht der meisten Wollknäuel im Handel entspricht) sind es dann
3 m x 50 =  150 m.
Somit kann man auch schnell in Nm umrechnen, wenn auf einem Knäuel die Lauflänge (LL) angegeben ist.
Komplizierter wird es bei Zwirnen. Die Zahl hinterm Schrägstrich gibt die Anzahl der Einzelgarne an, die miteinander verzwirnt sind, 6/2 Nm sind also zwei Einzelgarne. Als Zwirn sind sie natürlich doppelt so schwer, haben also nur die halbe Lauflänge 6:2=3 m.
Oder 18/3 Nm bedeutet 18:3=6m Lauflänge.
Generell lässt sich sagen, je höher die Zahl vor dem Schrägstrich, desto feiner das Garn. Hier einige Beispiele:
Einfach-Garne: von links nach rechts
Nm 4, Nm 5, Nm 8, Nm 15





















Zwirne: von links nach rechts
Nm 6/3, Nm 6/2, Nm 8/2, Nm 10/2, Nm 18/3, Nm 20/2, Nm 48/2

Montag, 20. August 2018

Endlich wieder da

Nachdem der Blog jetzt über ein Jahr brachgelegen ist und seit Mai wegen dieser Datenschutzgeschichte auch abgeschaltet war, gibt es jetzt endlich wieder Neues.
Ich bemühe mich auch in Zukunft, regelmäßige einträge zu gestalten und hoffe wieder auf viele interessierte Leser.

Eisenzeit

Manchmal fischt man bei der Reproduktion von Stoffen im Trüben, weil es keine konkreten Vorlagen oder Funde gibt, und auch die Sekundär- und Tertiärquellen mehr als dürftig sind.

So auch im vorliegenden Fall: es soll ein eisenzeitliches Bekleidungsensemble aus der frühen HEK (Hunsrück-Eifel-Kultur ~ späte Hallstattzeit) entstehen, für eine Frau. Bekannt sind eigentlich nur die Metallbestandteile, die sich wie folgt im Fund verteilt haben:
Schläfenwendelringe sind ein guter Anzeiger für die
Zeitspanne.

















Es ist immer etwas mühsam, ein Kleidungsstück zu rekonstruieren über das es nur vage Informationen gibt und schwammige Bilder. Hier geht es um einen Rock einer Frau der HEK I bzw. späten Hallstattzeit. Die spärlichen Textilfunde aus dieser Region lassen zumindestens mal eine Leinwandbindung plausibel erscheinen, außerdem sind auf den Situlenbildern http://verlag.nhm-wien.ac.at/buecher/Groemer_2010_E_Urgeschichte.pdf, S.365 und auf dem Tintinnabulum von Bologna http://informa.comune.bologna.it/iperbole/media/5/villa_31b_copia.jpg am Rockrand Borten zu erkennen.
Im Fundgut von Hallstatt finden sich brettchengewebte Borten, aber auch Ripsborten
In der Moderne werden solche Borten meist fälschlich als kammgewebt bezeichnet, Webkämme kamen erst viel später auf und erzeugen zur allgemeinen Verwirrung beitragend das gleiche Webbild. Wie die Hallstätter Borten nun schlussendlich erzeugt wurden, kann nur vermutet werden, denkbar wäre ein Litzenstab wie beim Gewichtswebstuhl.
Die Ripsborten entstanden auch wie in Fund zB Hallstatt 124 direkt am Gewebe, zur Technik mehr bei Grömer, ab S.99

Nach einigen Funden in der betreffenden Region wurde in der Übergangszeit von Hallstatt nach Latene Zwirn in der Kette und Einfachgarn im Schuss verwendet (siehe auch Seiffert in: Pracht und Herrlichkeit, Morbach 2017), im vorliegenden Fall habe ich das Garn für beide Systeme mit Indigo in einem waidblauen Ton gefärbt und für die Borte wurde ein Garn in kermesähnlichem und naturweißem Zwirn verwendet. Die Borte entsteht beim Webprozess.

Freitag, 24. März 2017

Röggvarfeldur reloaded II

Bei meinem letzten Besuch in Island habe ich von verschiedenen Leuten schwarzes Islandvlies bekommen. Wieder zu Hause habe ich angefangen, das Tog (die langen Deckhaare/Grannenhaare) vom  Þel (der feinen weichen Unterwolle) zu trennen. Das wird traditionell in Island so gemacht, das þel wird zu feinem weichen Garn versponnen, Tog wird für beanspruchtete Kleidung oder Teile davon gebraucht oder als Nähfaden.

Hier ist ein Teil des Vlieses und man kann die unterschiedlichen Haare schon an ihrer Länge erkennen.




Das Tog (übrigens ein ethymologischer Zusammenhang mit unserem ziehen, zog, gezogen ist durchaus erkennbar) hängt meistens an den Spitzen etwas zusammen, so dass man es leicht fassen kann und herausziehen.
















Hier kann man schön die getrennten Fasern sehen, links das Tog und rechts die Unterwolle, die ich für spätere Projekte aufhebe, weil ich sie diesmal nicht brauche.

 Jeweils zwei solcher Büschel werden an den Enden zusammengelegt und etwas miteinander verdreht.












Ich werde pro Reihe etwa 16 Büschel brauchen und wollte mal wissen, wieviel Zeit ich dafür benötige. Fertig zum Weben brauche ich für die 16 Locken etwa 19 min. Ich werde zum Schluss zählen wie viele Reihen der Webpelz hat.


Freitag, 10. März 2017

Röggvarfeldur reloaded

Vor ziemlich genau 4 Jahren (Eins, zwei, drei im Sauseschritt läuft die Zeit, wir laufen mit) habe ich hier schon einmal den Versuch, einen Röggvar- oder auch Vararfeldur genannten Webpelz herzustellen, in einer kleinen Beitragsserie beschrieben, hier findet ihr die Beiträge. Jedenfalls einen Teil davon, denn Blogger hat mir bei der Überarbeitung Beiträge gefressen, sie sind nicht mehr zu finden.
Deshalb haltet euch bitte an das Inhaltsverzeichnis hier, die Verlinkungen unten auf den Seiten führen leider zum Teil ins Nichts.
http://textileflaeche.blogspot.is/p/inhaltsverzeichnis.html


Es ging eine Bestellung ein mit der Bitte nach einem Röggvarfeldur: So schwarz wie möglich. Als größeres Projekt für meinen Aufenthalt hier kommt mir das grad gelegen und ich möchte meine Erkenntnisse von vor vier Jahren mit einfließen lassen.
Natürlich gibt es auch neue Veröffentlichungen und Erkenntnisse, die im Laufe der Entwicklung hier mit aufgeführt werden, zum Beispiel sind mir in der Zwischenzeit viele Funde von Webpelzen aufgefallen. Einen davon, nämlich den Webpelz von Schleswig der wahrscheinlich als Zierelement am Kragen eine Jacke angebracht war, hat Silvia Bestgen auf ihrem Blog beschrieben
https://zeitensprung.blogspot.is/2016/02/webpelz-aus-schleswig-teil-1.html
natürlich gibt es auch andere Nachwebungen, meist auf Gewichtswebstühlen wie
hier
oder hier.

In den nächsten Tagen werde ich hier den Prozess schildern und meine Überlegungen dazu.

Sonntag, 5. März 2017

Aufwärmarbeit

Nach dem sich hier lange nichts getan hat, möchte ich nun aber wieder die Arbeiten dokumentieren, die ich hier in meiner art residency machen möchte. Ich bin seit dem 1.3. wieder im TextilSetur in Blönduós für die nächsten vier Wochen und habe mir Webarbeit mitgebracht.
Zum Aufwärmen habe ich mit einem Textil der armen Leute von Lonne Hede angefangen.
In Dänemark in Westjütland wurde 1969 und 1995 ein Gräberfeld aus der Zeit des 1. Jahrhunderts nach Christus ausgegraben. Darin befanden sich neben anderen Grabbeigaben auch der Eichensarg einer Frau, in dem sich durch die Nässe und die Gerbsäure der Eiche Textilien erhalten haben.

Diese Textilien waren so gut erhalten, dass es schon einige Reproduktionen gab, unter anderem auch ein Projekt der Universität Kopenhagen

http://ctr.hum.ku.dk/tecc/loennehede/

 Ich bin ebenfalls angefragt worden für eine Reproduktion und natürlich mach ich das gern, auch wenn da noch einiges an Recherche zu machen war.
Nun ja, kurz und gut, leider sind die Veröffentlichungen dazu rar. Es gibt etwas im 2. NESAT-Band und einen Aufsatz von Ida Demant sowie etliche Bruchstücke überall im Netz. Man gebe nur mal Lonne Hede bei Google ein und schaue sich die Bilder an.

Ich habe mir als erstes ein Textil ausgesucht, das ich so noch nicht gesehen habe. Es gehört zum Fundkompley des Grabes 2 und Ida Demant schreibt dazu:
"........Under that a red and white diamond twill appeared. It was a rectangu-lar piece which was lying folded double; it had probably been wrapped around the body originally. The size of the fabric can be roughly estimated as 40 cm wide and 100 cm long. It was vis-ible in most of the area where textiles were present so my guess is that this grave belonged to a very small person, perhaps even a child."
Ida Demant, Artikel in NESAT IX, S.86.
Übersetzung:
"........Unter diesem erschien ein roter und weißer Diamantköper. Es war ein rechteckiges Stück, das dort doppelt gefaltet lag: es war vielleicht ursprünglich um den Körper gewickelt.  Die Größe des Textils konnte nur grob geschätzt werden mit 40 cm Breite und 100 cm Länge. Es war dort sichtbar, wo die Textilien  lagen,  ich vermute, dass im Grab eine sehr kleine Person lag, vielleichht sogar ein Kind."


Da die Reproduktion für eine erwachsene Person gedacht ist, stand ich vor dem Dilemma soweit wie möglich originalgetreu rekonstruieren oder anpassen?  Ich entschied mich für eine Modifikation, schließich sollen die Textilien ja tragbar sein.
Bei der Planung ging ich also davon aus, die angegebenen Maße um die Hälfte zu vergrößern, d.h. das fertige Stück soll 60 cm breit und etwa 150 cm lang sein. Im Original war das Textil rot mit weißen Streifen, auch da entschied ich mich zu einer Veränderung und färbte noch in D für die Kette entsprechend viel Garn blau.
 Die Gewebedichte war relativ grob mit 8/7 Fäden pro cm. Deshalb konnte ich für den Schuss Lettlopi verwenden, die ich hier vor Ort gekauft habe.
Das  Besondere an diesem Stoff sind zwei Details:
1. ist der Stoff in einer Hälfte als Fischgrät gwoben, aber dann als Diamantköper, jeweils mit weißen Streifen in Halbpanama und

2. hat der Schal an allen vier Seiten Fransen, das galt es bei der Durchführung zu berücksichtigen.

Die Einrichtung eines fremden Webstuhls ist immer ein kleines Abenteuer, auch Webstühle haben ein geheimes Innenleben.
Und so war ich auch mit dem Fach nicht besonders zufrieden, aber es war so grad zu machen und der Schal war dann relativ schnell fertig.




Montag, 17. Oktober 2016

Buch: Refashioning Viking Age Garments

Mein Buchhalter hatte mir während meines Aufenthaltes in Island das Buch

Refashioning Viking Age Garment
Archeology at the Saxon Institute, University of Copenhagen
Editor: Henriette Lyngstrom
Copenhagen 2015



bestellt.











Aufmerksam geworden auf das Buch war ich schon vor zwei Jahren durch ein Video bei youtube, das mich jetzt nicht sonderlich überzeugt hatte, vor allem auch wegen der Darstellung eine hypothetischen Walküre.
https://www.youtube.com/watch?v=zNsBchvUYU0

Da das ganze aber im Rahmen eines Seminars beim Studienprojekt 'Vikingetid i Danmark' stattfand, und auch einige durchaus bekannte Namen vertreten waren, habe ich die Dokumentation mal ganz leise bei meinem Mann geordert ;-)

Das Buch ist auf den ersten Blick nicht so überzeugend, Aufmachung wie bei Book On Demand, wenig strapazierfähiges Softcover, Bildqualität nun ja, aber wie heißt es so schön: 

Don't judge a book by its cover

Etwas ärgerlich: es gibt keine Inhaltsangabe mit Seitenangabe, nur eine Auflistung von Autoren mit den Überschriften ihrer Artikel. Dabei aufgeführt auch der Name des Instituts/Universität, für die sie schreiben.
Es sind immerhin 16 Autoren, die sich auf jeweils 2 - 8 Seiten mit einem bestimmten Teilaspekt bei der Reproduktion/Rekonstruktion wikingerzeitlicher Mode beschäftigen. Neben Wissenschaftlerinnen und Vertretern einiger (Freilicht)Museen kommen hier auch 'Laien' zu Wort wie Hilde Thunem, an deren Überlegungen man im Netz kaum vorbeikommt, wenn man sich ernsthaft mit einer wikingerzeitlichen Darstellung befasst.
http://urd.priv.no/
Dabei auch die Inhaberin (?) des Shops https://www.historiskedragter.dk/
die zum Thema Kommerzielle Nutzung schreibt.
Überhaupt ist die Bandbreite der Artikel hoch, es geht von der theoretischen Annährung an das Thema (Archeological Reconstructions: Between fact and effect, Sorensen) über generelle Themen wikingerzeitlicher Textilherstellung, des Materials und der Werkzeuge (Strand, Mannering, Skals) über Spezialgebiete wie Brettchenweben (Knudsen) und Färberei (Jensen), die Frage nach einer GUTEN Rekonstruktion (Demant/Batzer, im wesentlichen eine englische Ausgabe ihrer Posterpräsentation der NESATtagung  http://www.nesat.de/esslingen_xi/abstracts/24_Demant.pdf) bis hin zum Gebrauch von Textilien in einer rekonstruierten Umgebung (Ojantakanen) und vieles mehr.
Dabei können die Autoren, auf Grund der Kürze der Artikel natürlich nicht in die Tiefe gehen, einige Artikel dümpeln dann auch sehr an der Oberfläche, andere geben dennoch gute Denkanstöße und geizen auch nicht mit weiterführender Literatur. Ich denke dass die Studenten einen recht guten Einblick in die Problematik erhalten habe.

Sehr schön auch, dass es in Dänemark anscheinend keine Berührungsängste zwischen Wissenschaftlern und Praktikern gibt und dass sich Wissenschaft hier offen zur Diskussion stellt.
Die im Anhang auf 37 Seiten vorgestellte Modenschau findet sicherlich nicht überall begeisterte Zustimmung und die Umsetzung der Funde in tragebare Kleidung durch die einzelnen Museen oder Wikingercentren ist auch durchaus diskussionswürdig, allerdings findet man hier mal erfrischend andere Ansätze!

Im Rahmen meiner (zugegeben sehr kurzen Recherche) für diesen Beitrag bin ich übrigens auch auf diesen amerikanischen Beitrag gestoßen :

https://www.youtube.com/watch?v=lYU29YFxA3Y

Samstag, 15. Oktober 2016

Islandprojekt Teil 13

Mein lang vernachlässigter Blog soll jetzt wieder etwas Auftrieb erfahren, denn ich konnte die im Islandprojekt als Grundlage verwendeten Textilstücke jetzt selbst im NatMus Islands in augenschein nehmen.
Inzwischen hat sich das Projekt auch rumgesprochen, Marianne hatte in Island schon mehrere Vorträge bei verschiedenen Gruppen gehalten. Und anscheinend auch bei der Wissenschaftlerin Michelle Hayeur, die wir im Vorfeld ja mehrfach - vergeblich - angeschrieben hatten.
Sie wird in zwei Wochen einen Vortrag in Island mit dem Thema 800 Jahre Textilgeschichte in Island halten, in Akureyri, und wird sich im Vorfeld mit Marianne treffen. Soooo schade, dass ich nicht dabei sein kann.
Ich hoffe Marianne wird hier über das Ergebnis des Gesprächs etwas schreiben.


Hier aber einige Fotos, die ich in der kleinen Sonderausstellung zur Bláklædda Konan machen konnte. Und ja, fotografieren ist erlaubt und die Vitrinen sind sogar mit eigener Lupe und einem an- und abschaltbaren Licht ausgestattet.