Freitag, 5. Oktober 2018

2. Der Fund und meine Überlegungen dazu



2. Das Textil

In der Ausstellungsvitrine der blauen Frau, wie ich sie jetzt hier in Zukunft nennen werde, befand sich neben dem Brettchenband mit dem Rest des Trägerrocks auch obiges Textil. Es handelt sich dabei um ein Stück in Fischgrätbindung, das ebenfalls Löcher durch die Nadel der Ovalfibel aufweist. Es fand in der Veröffentlichung keine Erwähnung und war wohl ursprünglich auch in der Vitrine nicht mit dabei, sondern wurde nachträglich dazugelegt.
Nach Rücksprache mit Michele Hayeur handelt es sich um ein Stück, das ebenfalls durch die Lage in der Ovalfibel erhalten wurde. Bei der Untersuchung stellte sie folgende Schichtung fest: unterste (körpernahe) Lage Leinen, darüber eine Schicht Diamantköper mit Brettchenband, und als oberste Schicht der Fischgrät. Er wurde im Rahmen der Veröffentlichung nicht weiter untersucht, Michele Hayeur konnte mir insoweit helfen, dass sie in etwa die Fadendichte auf 10x11 cm beschrieb. Die Funktion des Textils liess sich aus wissenschaftlicher Sicht (noch) nicht weiter bestimmen.
Als reproduzierender Laie steht mir natürlich das Feld der Vermutungen offen und ich fragte mich, zu welchem Kleidungsstück der Textilrest evtl gehört haben könnte. Spontan fiel mir dabei ein Schultertuch ein, wie es  in verschiedenen Zusammenhängen Erwähnung findet.
Die genauen Quellen muss ich nachreichen, da ich hier in Island natürlich nicht meine Bilbliothek zur Verfügung und meine Notizen dummerweise zu Haus liegengelassen habe.
Meine Vermutung stützt sich auf folgende Merkmale:
Lage als oberste Schicht in der Fibel
eine andere Bindung als beim Hängerock
Benutzung im Zusammenhang mit der Fibel
Einige der modernen Darstellerinnen mit wikingerzeitlichem Bezug halten ihre Schultertücher mit den Fibeln auf den Schultern, so dass sie nicht verrutschen können, aus rein praktischen Erwägungen wäre also eine solche Trageweise möglich.
Dafür spricht auch die Webkante, die sich recht dicht neben den von der Fibelnadel hinterlassenen Löchern im Stoff befindet.

Auf dem Foto erkennt man recht gut die Löcher der Fibelnadel sowie am linken Rand die umkehrenden Schussfäden und die dadurch entstehende Webkante, vor allem im Bereich in dem die  Kettfäden vergangen sind.
Auf dem Bild ist ebenfalls gut zu erkennen, dass die Schussfäden dicker als die Kettfäden sind und bei höchst möglicher Vergrösserung ebenfalls, dass Schuss und Kette z-gesponnen sind. 
Für die bevorstehende Arbeit hatte ich also genügend Eckdaten und konnte mit den Vorbereitungen beginnen.

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