Montag, 3. September 2018

Wollgarn - eine Welt für sich



Angeregt durch mehrere Unterhaltungen und Diskussionen, aber auch durch die Probleme passendes Wollgarn für bestimmte Projekte zu bekommen, will ich hier in drei Abschnitten mein Wissen über Wollgarn mit euch teilen.
1. Technische Begriffe
2. Geschichtlicher Abriss
3. Passendes Garn zum passenden Projekt

Heute geht es nur um die Begriffe und technische Ausdrucksklärung. Bei wikipedia bekommen wir einen ersten Eindruck ins Thema:
Garn bei Wikipedia
und da stoßen wir dann auch auf die erste Verwirrung. Laut des Artikels wird ein Garn tierischer Herkunft auch als Wolle bezeichnet. Nein, liebes Wikipedia, das hat sich vielleicht (falsch) so eingebürgert, stimmt aber so nicht.
Es begegnet uns allenthalben, dass Garn, auch nicht tierischen Ursprungs, als Wolle bezeichnet wird.
Wolle vom Islandschaf

Wolle ist aber erstmal nur der Begriff für eine Faser von Tieren (auch hier ist Wikipedia nützlich: https://de.wikipedia.org/wiki/Wolle), und damit wird nichts über die Form der Fasern ausgesagt, liegt sie nur in unbearbeiteter, gesponnener, gefilzter, gekämmter oder was auch immer vor.
Rechtlich gesehen darf nach dem Textilkennzeichnungsgesetzt auch nur die Faser Wolle genannt werden, die vom Schaf (ovis aries) stammen oder ein Gemisch mit anderen Haaren von Tieren.
Quelle: Textilkennzeichnung
Wird die Faser gesponnen, entsteht daraus ein Garn. Vorher kann die Faser noch verschiedene Arbeitsschritte durchlaufen: waschen, aufreißen, kämmen, kardieren, die alle einen Einfluss auf das spätere Garn haben können.

Hat die Faser den Spinnprozess durchlaufen, ensteht ein mehr oder weniger dickes Einfach-Garn, das entweder recht- oder links gedreht ist. Dabei handelt es sich um die häufig erwähnte Spinnrichtung. Hier rechts im Bild liegt ein Garn mit einer Rechtsdrehung, in wissenschaftlichen Berichten z-Spinnrichtung genannt, weil die Drehung dem mittleren Balken eines Z entspricht, im Gegensatz zur s-Spinnrichtung mit einer Linksdrehung.
Bei dem Garn rechts handelt es sich um ein sogenanntes Streichgarn, die Wolle wurde vorher kardiert, die einzelnen Fasern liegen nicht alle parallel, deshalb ist das Garn nicht glatt, sondern haarig, einzelne Fasern stehen heraus. Außerdem hat es nur einen schwachen Drall von etwa 15° bis 25 °, bei 0° lägen die Fasern parallel zueinander (gemessen zur Senkrechten)



 Werden nun zwei oder mehr Einfach-Garne in der entgegengesetzten Richtung zusammengesponnen, nennt man das neu entstandene Garn Zwirn. Zwei z-gesponnene Garne ergeben also einen s-Zwirn und andersrum.
Zwirn aus zwei Fäden
Zwirn aus drei Fäden

















Garnstärken: Da man für verschiedene Projekte verschiedene Garnstärken braucht, gibt es natürlich auch Garne in verschiedenen Dicken. Um es in der modernen Welt zu normieren, wurden Messbezeichnungen erfunden. Für Wollgarn wird heute meist das Nm-System benutzt, das für numerisch-metrisch steht und mit dem die Lauflänge aufs Gewicht berechnet wird..
Um die Nm-Stärke eines Garnes zu errechnen, misst man die Meter auf ein Gramm. NM 3 heißt also:
3 Meter des Garns wiegen 1 Gramm. Auf ein kg sind das dann 3000 m, auf 50 g (was dem handelsüblichen Gewicht der meisten Wollknäuel im Handel entspricht) sind es dann
3 m x 50 =  150 m.
Somit kann man auch schnell in Nm umrechnen, wenn auf einem Knäuel die Lauflänge (LL) angegeben ist.
Komplizierter wird es bei Zwirnen. Die Zahl hinterm Schrägstrich gibt die Anzahl der Einzelgarne an, die miteinander verzwirnt sind, 6/2 Nm sind also zwei Einzelgarne. Als Zwirn sind sie natürlich doppelt so schwer, haben also nur die halbe Lauflänge 6:2=3 m.
Oder 18/3 Nm bedeutet 18:3=6m Lauflänge.
Generell lässt sich sagen, je höher die Zahl vor dem Schrägstrich, desto feiner das Garn. Hier einige Beispiele:
Einfach-Garne: von links nach rechts
Nm 4, Nm 5, Nm 8, Nm 15





















Zwirne: von links nach rechts
Nm 6/3, Nm 6/2, Nm 8/2, Nm 10/2, Nm 18/3, Nm 20/2, Nm 48/2

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