Freitag, 12. Dezember 2014

Die Fasern der Islandziege

Da auch das Lavendelschaf in der nächsten Ausgabe im Frühjahr über die Faser der Islandziegen berichten wird, hier schon mal eine Übersicht von mir.
Ich habe bei mehreren Besuchen in den letzten vier Jahren auf der Ziegenfarm von Jóhanna á Háafelli im Westen Islands mehrere Proben von diesen Fasern mitbringen und verarbeitete Proben betrachten können. Das Ziegenhaar wird dort übrigens ausgekämmt.





Das isländische Ziegenhaar hat zwei sehr unterschiedliche Schichten: die sehr langen wasserabweisenden Oberhaare und die sehr feine Unterwolle. Jóhanna hatte vor vier Jahren die Wolle von verschiedenen Muttertieren in Norwegen auf Feinheit und Zusammensetzung untersuchen lassen. Dabei erwies sich dass das Unterhaar mit einer Feinheit von 15 - 19 micron dem Haar der Kaschmirziege um nichts nachsteht. Das Problem bei der Verarbeitung sind die sehr langen harten Oberhaare, die sich manuell sehr schlecht in einem langwierigen Prozess entfernen lassen.
Links gereinigte und entgrannte Faser - rechts unbearbeitet
In der Vergrößerung werden die unterschiedlichen Fasern besser sichtbar.
Ein mit dem Oberhaar versponnener und verstrickter Faden ist sehr stachelig und die Vorzüge der weichen Unterwolle kommen überhaupt nicht zum Tragen.
Ich habe daher ein paar Proben in einer kleinen Kämmerei entgrannen lassen. Jóhanna hat ebenfalls einen Versuch in einer norwegischen Wollspinnerei gestartet, was aber schlussendlich an den extrem hohen Kosten gescheitert ist.
Ich war mit meiner Probe sehr zufrieden, auch wenn die langen Grannen nicht vollständig enfernt wurden. Aber ich kann sie jetzt bei Spinnen leicht mit der Hand aussortieren.



Zum Spinnen wäre wohl eine unterstützte Spindel (supported spindle) gut, weil die Faser an sich recht kurz ist und glatt.Auf Anfrage gebe ich übrigens kleinere Mengen der unsortierten und nicht entgrannten Faser ab.

Exkurs: Ob das in einem römischen Sarkophag bei Euskirchen entdeckte Kaschmir jetzt tatsächlich aus Kaschmir bzw. Tibet stammt oder evtl doch von eine dem Römischen Reich näher beheimateten Ziegenrasse, wäre mal eine Untersuchung wert.

Wichtige Basisinformationen über Islandziegen gibt es bei der FAO (UN) und beim Bauernverband Islands
http://www.fao.org/docrep/008/a0070t/a0070t0a.htm
http://yndisgrodur.lbhi.is/pages/1322
http://weberstrasse-cashmere.weebly.com/



Ansonsten gibt es hier einen kleinen Einblick in Jóhannas Farm Háafell, ihren Tieren und den Produkten, die sie von ihren Ziegen herstellt.















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