Donnerstag, 20. Juni 2013

Überlegungen Teil II

In den Sekundärquellen wird man auch wenig fündig, es gibt einfach zu wenige detailgetreue, nicht stilisierte Abbildungen und Beschreibungen finden sich fast nur bei den 'Eroberern'. Da gibt es natürlich die berühmte Stelle bei Diodor,

Diodorus Siculus
(V, 30, 1-2): "Sie tragen auffallende Kleidung, gefärbte Hemden die mit vielen verschiedenen Farben genäht sind, und Hosen, welche sie in ihrer Sprache 'braccae' nennen. Auch trafen sie gestreifte Mäntel, die mir einer Spange an der Schulter befestigt sind, für den Winter dicke und im Sommer leichte, und die unterteilt sind mit dicht aneinandergefügten Karos in verschiedenen Farbtönen."

aber auch Hinweise bei Livius, Cicero, Strabon und anderen griechischen oder römischen Autoren (nachzulesen unter anderem in: Das Bild der Kelten bis in die augustäische Zeit von Bernhard Kremer, Stuttgart, 1994)

Gerade Diodor wird oft selbstverständlich in die Bekleidungsidee von Darstellern übertragen, sprich: allenthalben sieht man karierte Kleidung und  Hosen bei den Männern und das durch alle Perioden, die zur keltischen Kernzeit ja immerhin 800 Jahre umfassen. Wer sich ein wenig differenzierter mit der Materie auseinandersetzt und vor allem einschlägige Literatur zu Rate zieht, wird sich recht schnell von dieser typisierten Darstellung lösen wollen.

Aber wie soll man denn jetzt mit einer Ausstattung beginnen? Wo findet man Ansatzpunkte, die eine vertretbare Deutung zulassen?

Was auf jeden Fall vorhanden ist, sind die Grabbeigaben, aus denen sich gewisse Rückschlüsse auf die Tragweise von Bekleidung ziehen lassen, im Folgenden erstmal für Frauenkleidung.
Besonders interessant sind dabei paarige Fibeln, die bei Erdbestattungen oft in Schulterlage gefunden wurden. Sie gehören nach den restlichen Beigaben nach zu urteilen, in Frauengräber, obwohl diese schematische Einteilung: hier Schwert = Mann, dort Spindel = Frau durchaus einer Überarbeitung bedarf (siehe Bilder auf Köpfen - Bilder in Köpfen, Jutta Leskovar in: Science oder Fiction - Geschlechterrollen in archäologischen Lebensbildern, Münster 2007).
Aber nehmen wir einmal die Zuordnung zum weiblichen Geschlecht als gegeben an: die Fibeln hatten nicht nur einen schmückenden Wert, sondern auch einen funktionalen. Mit den Fibeln wurde ein Bekleidungsstück auf den Schultern geschlossen.
Nauheimer Fibel




















Bei einem Exkurs in benachbarte Länder kann man feststellen, dass es durchaus Abbildungen von einer solchen Fibeltracht gibt, allgemein als Peplos bekannt.  Finde ich also Abbildungen von Fibeln in Schulterlage zu meiner gewünschten Zeit, kann ich schon mit 50% Wahrscheinlichkeit (andere setzen die Wahrscheinlichkeit höher an) davon ausgehen, dass ein Peplos getragen wurde, zumal wenn sich in den Gräbern der direkten Umgebung mehr solcher Fibelpaare finden lassen.

Es gibt übrigens ein interessantes Buch aus der Reihe Reallexikon der germanischen Altertumskunde mit dem Titel: Fibel und Fibeltracht von H. Beck u.a., Berlin 2000, in dem die verschiedenen Fibeltypen chronologisch darsgestellt und in den Trechtzusammenhang gestellt werden. Interessanterweise hört das Buch nach dem Frühmittelalter auf, zumindestens ab da wurde in unseren Breiten keine Bekleidung mehr getragen, die mit Fibeln auf oder unterhalb der Schulter geschlossen wurde.



Zurück zu Teil I                                                             Vor zu Teil III

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Die Kommentare werden freigeschaltet, es wird daher etwas dauern, bis sie erscheinen.