Donnerstag, 30. Oktober 2014

Sheperd's Plaid

Nach langer Zeit sitze ich mal wieder am Webstuhl und versuche meine Liste abzuarbeiten, in der sich -krankheitsbedingt - einiges aufgestaut hat.
Zur Zeit webe ich einen Stoff in einem Muster, das sich Sheperd's Plaid (auch Border Tartan, Northumbrian Tartan, Border Drab) nennt. Damit weist der Name auch schon auf die Herkunft in Schottland hin. Eigentlich wird damit auch inzwischen ein bestimmtes Kleidungsstück bezeichnet, ein langes (3 - 4 yds) Tuch, das die Schäfer trugen.
Der erste Fund stammt nach Aussage verschiedener schottischer Webseiten wohl aus dem 3. Jhdt, der sogenannte Falkirk Tartan.
Dieser kleine Fetzen Stoff liegt im NatMus in Edinburgh, wo ich das folgende Foto machen konnte.













Natürlich gab es dieses Muster auch schon vorher, unter anderem im Salzbergwerk Hallstatt, zum Beispiel Textil 19: Hallstatttextilien
Aber auch der neue Fund aus Norwegen oder die Moorfunde aus dem Norden tragen immer mal wieder dieses Web-Muster, das zu den Farbverflechtungen gehört. Farbverflechtungen bilden das Muster aus dem Einsatz von (meist) zwei kontrastierenden Farben in Kette und Schuss und der Sheperd's Plaid gehört dazu.
Im Deutschen sind die Bezeichnung für diese Art von Muster Hahnentritt oder Pepita, im Englischen werden sie als Haundstooth oder Dogtooth bezeichnet. Je nachdem ob man Leinwandbindung oder Köper als Grundlage nimmt, bilden sich gerade Auszüge oder welche mit der typischen Köperschräge.


Meine Umsetzung war erst ein leichterer
Stoff in Naturfarben
10F/cm, Wollgarn NM 6/1















und dann ein kuschelig warmer mit 5F/cm, ebenfalls in Naturfarben NM 2/1

Samstag, 27. September 2014

Mal was von Hans

Rosemarie Stadler: Die Tracht der frühkeltischen Frau Eine Rekonstruktion nach Vorbildern aus Südwestdeutschland ,
Hg: Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern e.V., Portät Archäologie Heft 6, Esslingen 2014,
ISBN 978-3-9808926-7-4 , Preis 7€

Auf der Heuneburg wurde das Heft von der Verfasserin selbst vorgestellt, welche dabei auch die im Heft beschriebene Ausstattung trug.
Es handelt sich nicht, wie der Obertitel vermuten lässt um eine Monographie über die Tracht der frühkeltischen Frau, sondern um die Beschreibung des langen Wegs von dem Gedanken an eine Darstellung bis zum endgültigen Produkt. Ich zitiere S. 5 „ Ziel war nicht die Rekonstruktion eines geschlossenen Frauengrabes, sondern die Präsentation typischer Trachtbestandteile und Textiltechnikenwährend der späthallstattzeitlichen Stufen Ha D1 und D2 im südwestdeutschen Raum, insbesondere aus der Region an der oberen Donau und um die Heuneburg.“
Daraus ergibt sich, dass es eben keine eindeutig festlegbare Ausstattung ist, sondern eben ein , meiner Ansicht nach gelungenes, Konglomerat aus etlichen verschiedenen Fundstellen.

Zuerst wird die unumgängliche Recherche beschrieben, welche jeder Darstellung vorausgeht. Funde aus der vorgegebenen Region wurden durch Vergleiche mit Funden aus dem gleichen Zeitraum aus anderen Gegenden verglichen und kombiniert, um ein einigermaßen passendes gGsamtbild zu erzielen. Hier hätte vielleicht noch etwas ausführlichere Literaturrecherche betrieben werden können, aber die grundlegenden Veröffentlichungen für die Region fanden alle Berücksichtigung. Auch wurde mit kompetenten Fachwissenschaftlern zusammen gearbeitet, so dass keine groben Schnitzer vorkommen konnten. Die getroffenen Entscheidungen für Gewebe, Farbe, Bindung und Muster werden fundiert begründet. Einige Leser und Betrachter werden wohl Anstoß an der hohen Anzahl von Swastiken nehmen. Doch hier sprechen die Funde für sich.

Im 2. Teil kommt die Weberin selbst zu Wort und sie gibt einen ausführlichen Überblick über alle notwendigen Arbeiten vom Spinnen über das Färben bis zum Weben. Ein paar Tipps für Hobbyspinner, Färber und Weber fallen dabei auch noch ab. Interessant für alle, welche von diesen Tätigkeiten keine große Ahnung haben sind die Zeitangaben für die einzelnen Arbeitsschritte.

Im 3. Teil wird kurz auf die Metallteile, Gürtel, Fibeln und Schmuck, eingegangen, auch hier wieder mit Erklärung, weshalb gerade diese Muster und Formen verwendet werden.

Im 4. Teil wird noch über das Schuhwerk berichtet.

Fazit: Es handelt sich um eine lesenswerte, informative Broschüre für alle, welche a) sich für die Tracht der frühkeltischen Frau dieser Region und Zeit interessieren oder b) sich einmal über den langen Weg von der Idee einer Rekonstruktion bis zum fertigen Produkt informieren wollen.
Die Bebilderung des Bandes ist gut, doch ich vermisse leider ein Foto von Frau Stadler mit aller Pracht, so wie sie auf der Heuneburg zu bewundern war. Leider ist die ausgewählte Literatur sehr schmal geraten.

Montag, 15. September 2014

Längere Pause

Zwar bin ich aus Island trotz Vulkans wieder wohlbehalten zurückgekehrt, kann hier aber dennoch nicht gleich weitermachen, weil ich bewegungstechnisch zur Zeit ein wenig eingeschränkt bin und Arbeiten am Computer sowie am Webstuhl erstmal auf ein Minimum reduzieren will.
Ich hoffe, dass es im Oktober wieder weitergehen kann.

Freitag, 8. August 2014

Isländische Ziegenfarm vor dem Aus

Weil die entgrannte Ziegenwolle heute eingetroffen ist, auch hier noch kurz mein Aufruf:
Grund ist der nachstehend verlinkte Artikel in der Icelandreview. http://icelandreview.com/de/news/2014/07/30/einzige-ziegenfarm-islands-soll-unter-den-hammer
Wir sind eine kleine Gruppe von Islandfreunden und möchten gern Jóhanna und ihrem Hof helfen, indem wir Patenschaften für ihre Ziegen übernehmen. Falls sich jemand auch angesprochen fühlt, sollte er/sie sich gleich an Jóhanna selbst wenden (e-mail findet ihr auf www.geitur.is), eine Patenschaft koste 8000 ISK (etwa 50 €) im Jahr oder einen Beitrag auf https://www.indiegogo.com/projects/save-the-icelandic-goat-from-extinction spenden.
Für die Spinner interessant ist die Ziegenwolle, das Unterhaar weist die gleiche Feinheit wie Kaschmir auf und ich habe grad Proben zum Entgrannen in einer kleinen Kämmerei. Natürlich wäre ich bereit, Ziegenwolle von meinen Besuchen mit nach Deutschland zu bringen. Mehr zur isländischen Ziege hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Icelandic_goat mit weiterführenden Links.

Die Ziegen waren übrigens auch in Game of Thrones zu sehen: http://www.visir.is/islenskar-geitur-drepnar-af-dreka-i-game-of-thrones/article/2014140519599
Und wer sich Jóhanna und ihre Ziegen einmal anschauen möchte, findet auf der Website der isländischen Tageszeitung einen Film dazu, leider alles auf isländisch:
http://www.mbl.is/frettir/innlent/2014/08/08/ekki_tilbuin_ad_gefast_upp/

Und hier die Proben der entgrannten Unterwolle. Die Grannen sind nicht ganz raus aber die restlichen kann man gut händisch entfernen. Die Faser selbst ist ein Traum, auch wenn man sie auf Grund der Kürze wahrscheinlich mit einer längerstapligen Faser mischen muss.
Faserfeinheit

Links die entgrannte und gewaschene Faser - rechts ungewaschen mit Grannen

Donnerstag, 7. August 2014

Heuneburg

Etruskerin bereitet eine Sprangarbeit vor


Bevor ich mich hier für vier Wochen Island verabschiede, gibt es noch einen kleinen Ausflug auf die Schwäbische Alb.
Mein Mann, unsere Freundin Steffi und ich waren vom Projekt Latene zum  keltisch-griechischen Sommerfest auf der Heuneburg eingeladen. Die Anreise war mit 391 km für uns ziemlich weit, zumal es da durch neuralgische Punkte auf der Autobahn geht.
Übungen mit der 5 m langen Sarissa
Das Fest selbst fand direkt auf dem Plateau der Heuneburg statt, die Griechen und angrenzenden Völker von den Hetairoi hatten ihr Lager vor dem eigentlichen keltischen Dorf aufgeschlagen, die Kelten waren in den Häusern hinter der Mauer untergebracht.
Die Teilnehmer waren in Ausrüstung und Bekleidung alle auf einem hohen Niveau; in den Gesprächen merkte man auch, dass es nicht nur Abgekupfertes war, sondern auf einem soliden Hintergrundwissen basiert. Es war eine Freude, die einzelnen Personen und Gruppen zu beobachten.
Im keltischen Weberhaus
Es gab einiges an Programm - Modenschauen, Waffenpräsentationen, Vorführungen in den verschiedenen Handwerken, Vorträge und eine Buchpräsentation, auf die ich weiter unten noch eingehen werde.
Modenschau der Griechen und angrenzenden Völker
Waffenpräsentation der Kelten
Auf die angekündigte Buchpräsentation von Rosemarie Stadler: Die Tracht der frühkeltischen Frau, Esslingen 2014 war ich besonders gespannt. Die Verfasserin konnten wir schon am Samstag kennenlernen, eine sehr nette Museumsführerin, die vor einigen Jahren eine Rekonstruktion einer frühkeltischen Kleidung bei der Weberin Hildegard Igel in Auftrag gab, die Metallbestandteile der Tracht wurden von Frank Trommer und Stefan Jaroschinski angefertigt.
Am Sonntag konnten wir dann die Rekonstruktionen bewundern. Ich muss neidlos anerkennen, dass es sich dabei um echte Meisterwerke handelt. Vor allem das rekonstruierte Manteltuch vom Hohmichele hat meine höchste Bewunderung!! Vom Spinnen des Zwirns in Kett- und Schusssystem und des Leinenfadens für die Arbeit mit der fliegenden Nadel über die Färbung des Garns bis zur Fertigstellung am Webstuhl ist eine wirklich professionelle Hand zu erkennen.
Ein paar Daten: Manteltuch von 1,50 auf 1,80, Ripsgewebe mit sieben Doppelfaden im Kettsytem und 30! im Schusssystem, Waidfärbung in der Urinküpe, Musterfaden aus gebleichtem Leinen und Wolle mit echter Kermesfärbung,
Hier gibt es eine Fundzeichnung: http://spacezilotes.files.wordpress.com/2012/07/image24.png
Einzelheiten der Zierelemente
Die Auftraggeberin und Verfasserin des Buches

Das Manteltuch



Montag, 7. Juli 2014

Prachtmantel - Fotoshooting

Normalerweise mache ich ja eigentlich von meinen Werken nur "Beweisfotos", wenn ein Stoff fertig ist, fürt meine private Sammlung. Deshalb achte ich da nicht so ganz auf Hintergrund, Umgebung, Fotoqualität, usw.

Weil aber in Otzenhausen inzwischen ein weiterer Fortschritt beim Keltendorf  zu sehen ist und sich auch sonst einiges dort getan hat, bin ich mit meinem Lieblingsmodel Hans dort hingefahren um meine neueste Kreation abzulichten.
Reine Materialdaten:
Rechteckmantel, ca. 160 x 250 cm, reine Schurwolle, Reseda, Krapp und Indigo gefärbt, Diamantköper mit 10 F/cm mit Musterstreifen, 4 angewebte Brettchenborten mit Streifen (zwischen 27 und 81 Brettchen)










Freitag, 4. Juli 2014

Der Frust bei der Garnsuche

Bei den nachgewebten Textilien aus der Vergangenheit muss ich häufig auch auf industriell gewebte Garne zurückgreifen. Leider ist es nur selten möglich auf handgesponnenes Garn, wenn möglich auch noch von der passenden Schafrasse zurückzugreifen. Eine Möglichkeit ist die besagte Kleinspinnerei, die mir zumindestens mal im bescheidenen Rahmen Garne nach meiner Vorstellung spinnen kann.
Wenn man aber, wie ich im Moment für ein ganz bestimmtes Projekt ein ganz bestimmtes Garn sucht, könnte man schier verzweifeln.
Das Garn muss bestimmte Eigenschaften haben um sich als Kettgarn zu eignen, deshalb bevorzuge ich stets Kammgarn gegenüber von Streichgarn. Wie aus den Beschreibungen ersichtlich, stehen beim Streichgarn noch viele Fasern ab. Die haben beim Weben dann die Neigung sich miteinander zu verhaken, was dann später zum Reißen des Garns führt. Außerdem ist Streichgarn oft weniger stark gedreht und halt daher den Belastungen als Kettgarn nicht so gut stand.
Die Misere bei der Kammgarnsuche erkennt man, wenn man Kammgarn bei Google eingibt. Auf der ersten Seite findet man nur Ergebnisse zu ehemaligen Kammgarnspinnereien, die inzwischen zu Eventstätten oder Restaurants umgebaut sind. Die Garnproduktion wurde in den letzten Jahren aus Kostengründen auch von der renommierten Firmen ins Ausland verlegt, vor allem nach China. Bei den verbleibenden Anbietern erfährt man oft, dass nur Mindestmengen ab 50 kg abgegeben werden.  Da ich aber sehr viele unterschiedliche Projekte habe, würden sich meine Lager sehr schnell mit nicht benötigtem Garn füllen, denn bei vielen Projekten  muss ich ganz unterschiedliche Garne verwenden.
Leider gibt es die früheren Kleinmengenanbieter nicht mehr oder sie haben ihr Sortiment umgestellt, denn auch für sie wird es immer schwieriger an die entsprechenden Garn zu kommen. Als Notlösung kaufe ich schon mal bei ebay, wo die Restbestände italienischer Stoffhersteller vertickert werden. Aber das ist keine zuverlässige Quelle, und so vergehen allein mit der Suche nach einem passenden Garn viele Stunden.

Um zu verdeutlichen, wie unterschiedlich die benötigten Garne sein können, gibt es hier mal einen Vergleich zwischen verschiedenen Funden
 
Nr. Fundort Zeit Bindung FZ Garn
1 Bümpliz-Morgenstr, Schweiz LT-C LW 4/4 n.b.
2 Solduno, Schweiz LT-D LW 10/10 n.b
3 Solothurn, Schweiz HaD K2/2 12/12 Sz/Sz
4 Münsingen, Schweiz LT-A/B K1/2 8/8 Sz/z
5 Fallward, NS 4. Jhdt K2/2 Diamant 12/16 Z/Z
6 Trier, Rhld.-Pf 4. Jhdt. LW 43/38 S/S
7 Herjolfsnes, Grönland 14. Jhdt K2/1 5/9 Z/S
Die Quellen werden auf Anfrage gern mitgeteilt.

Abkürzungen:
Zeit
HaD: Hallstatt D ~ 650 – 500 v. Ch.
LT: Latene A ~ 450 – 380 v. Ch., B ~ 380 – 250 v. Ch., C ~ 250 – 150 v. Ch., D ~ 150 – Zeitenwende



Bindung
LW – Leinwandbindung, K2/2 – gleichseitiger Köper, K2/1 ungleichseitiger Köper


FZ
Fadenzahl pro cm


Garn
Spinnrichtung – s oder z, Zwirnung Sz - s-gesponnen, z-gezwirnt


Hier ist jetzt eine Auswahl der Garne die mir für die o.a. Rekos zur Verfügung stehen würden.
Die unten abgebildeten Garne sind zum großen Teil Industriegarne, bei Nr. 5 das helle aus der kleinen Wollspinnerei, und das dunkle ebenfalls bei 5 handgesponnen.
Außer bei 5 kann ich die Drehung der Garne nicht wählen, die allermeisten Industriegarne sind s-gesponnen und im Falle einer Zwirnung z- gezwirnt.