Mittwoch, 14. Mai 2014

Schleiertuch in Purpur

Die neue Besitzerin der Schleiertuchs hat mir aus Island noch folgende Ergänzungen zum Schleiertuch mit Fotos zu Veröffentlichung geschickt! Vielen lieben Dank Marianne! 
 
 
Grösse: 67 x 153 cm plus Fransen.

Kette Z 11F/cm  Schuss S 10F/cm. 33 wpi (wraps per inch) = 13 wpcm.
Graue isländische Schafswolle. Für die Kette wurden Unterwolle und
Deckhaare (Hairy) 8:1 auf einem Lendrum gesponnen, für den Schuss nur die
Unterwolle (Hairy Medium) 6:1.

Bindungsmuster: Vaðmál 2/2 Köper 

Garnlänge für Kette und Schuss etwa 2500 m plus Einsprung plus Abfall.

Gefärbt wurde mit der Flechte Ochrolechia parella in drei Zügen, daher die
Farbabstufungen.

Inspiration waren Textilfragmente aus der isländischen Landnahmesiedlung
Narsaq in Grönland von ca. 900 AD. Fadendichte, Webart und Farbe stimmen
mit den Funden überein. Ein Hoch auf die Weberin! Ich bin sehr glücklich
mit dem Tuch. Es riecht wunderbar moosig-erdig, deshalb wasche ich es auch
nicht. 
 
Die Fotos zeigen übrigens wunderbar, wie sehr sich für eine Kamera je nach Lichtverhältnissen der Farbton ändern kann und das es fast unmöglich ist, per digitalem Foto eine farbgetreue Wiedergabe zu ermöglichen.
Mit freundlicher Genehmigung der Fotografin Marianne Guckelsberger.

Mit freundlicher Genehmigung der Fotografin Marianne Guckelsberger.

Mit freundlicher Genehmigung der Fotografin Marianne Guckelsberger.
 

Sonntag, 11. Mai 2014

Buch - Seide für die Wikinger

Eigentlich sollte das Buch ja schon im Winter 2013 erscheinen, aber nun kann ich es endlich in Händen halten.

Marianne Vedeler
Silk for the vikings
Oxford, 2014
englisch

Ausgehend von etlichen Seidenfunden aus frühmittelalterlicher Zeit im nördlichen Bereich wie zum Beispiel dieser Kappe aus York, bin ich natürlich sehr an einer Darstellung der Seidenfunde interessiert. Deshalb war dieses Buch für mich ein Muss und da mein Mann immer gern für mich Bücher besorgt, liegt es jetzt seit Samstag auf unserem Tisch.
Die Verwendung von Seide in wikingerzeitlichen Darstellungen wird häufig diskutiert, im besonderen auch in den Diskussionen um Bestickungen oder bei der Erstellung von Borten. Es gab bis jetzt immer nur Erwähnungen bei den Fundberichten, also Haithabu, Birka, Gokstad usw.  Mit dem Buch von Marianne Vedeler wird hier eine Übersicht geschaffen, welche Seide wann wo verwendet und später gefunden wurde.

Das Buch umfasst 125 Seiten, davon allein 9 Seiten Literaturhinweise, gegliedert in 8 Kapitel.
Ausgehend von dem wohl bedeutendsten Fund - dem Osebergschiff, beschreibt die Autorin danach die nachgewiesenen Einzelfunde in wikingerzeitlichen Gräbern, geht dann über zu Herstellung von Seide, auf die Färbedrogen aus dieser Zeit, auf ungesponnenes Garn und gesponnenes, verwendete Stickstiche und Webmuster.
Hier kommt schon klar - jedenfalls für mich - zum Ausdruck, dass es sich bei den gefundenen Stoffteilen wohl um Import gehandelt hat, denn der größte Teil war als Samit gewebt. Die Technik dazu war den Webern des Frühmittelalters im mittel- und nordeuropäischen Raum wohl noch nicht bekannt, Seidenwebereien wurden erst ab dem 12./13.Jhdt auch in Europa nachgewiesen. Hier gibt es eindruckvolle Fotos der Bindung und überhaupt auch eindrucksvolle Fotos von Funden aus dem Frühmittelalter entlang der Seidenstraße.

In Kapitel 4 und 5 wird der Wert der Seide und der Handel damit beschrieben, bevor "dem langen Weg nach Skandinavien" nachgespürt wird. Kapitel 6 und 7 geht auf die Textilproduktion in Persien und den frühen islamischen Ländern ein und in Miklagard/Byzanz/Konstantinopel/Istanbul. Zum Schluss geht Vedeler noch an Hand ausgewählter Beispiele auf die Einstellung gegenüber Seide ein - z. Bsp. auch auf die Erwähnung in den Sagas!

Das Buch ist hochspannend, enthält eine Fülle an Informationen und bietet mir ein sehr komplexes und auch differenziertes Bild der frühmittelalterlichen Seide. Vieles ist schon sehr textilspezifisch, vieles aber auch für Laien verständlich und interessant. Wer nur eine schnelle Antwort auf die Frage sucht: Darf ich Seide für meine Wikingerklamotte benutzen und wenn ja, wo und wie? ist mit diesem Buch vielleicht schon ein wenig "overdressed", wer sich aber für Hintergründe und ausführliche Informationen interessiert, tut gut daran, sich das Buch in den Bücherschrank zu stellen.

Sonntag, 4. Mai 2014

Ein makedonischer Chiton

Für ein Mitglied der Hetairoi soll ich den Stoff für einen makedonischen Chiton anfertigen; Zeit, um sich noch mal um Begrifflichkeiten zu kümmern. Wie in einem der vorigen Beiträge schon angedeutet, werden die Begriffe Chiton und Peplos unterschiedlich angewendet. Es gibt keine einheitliche Definition, auch in der Fachliteratur nicht.

Ich verweise hier einmal auf die Wikipedia-Artikel, die schon recht aufschlussreich sind:
Chiton

Peplos

Die Literatur zu griechischer Kleidung ist nicht sehr zahlreich, wohl vor allem wegen mangelnder Funde und deshalb ist ein fast hundertjähriges Werk von Margarethe Bieber immer noch grundlegend. Leider wird das Buch nur noch antiquarisch gehandelt und kostet dementsprechend viel - Angebot für 330 € sind durchaus üblich und man braucht schon sehr viel Glück, um ein Exemplar unter 100 € zu ergattern. 
Margarethe Bieber, Die griechische Kleidung, Berlin/Leipzig 1928 (neuaufgelegt 1977)


Dort findet man ein recht klare Definition des Unterscheides zwischen Chiton und Peplos, die ich nachvollziehbar und logisch finde (bis mir neuere Forschungsergebnisse vielleicht eine neue Sichtweise vermitteln können.)
Hier kann man bei google books auszugsweise im Buch von M. Bieber schmökern und findet auf Seite 17 eine Systematik der griechischen Gewänder, auch die Unterscheidung zwischen Chiton und Peplos. Im Großen und Ganzen kann man auf Chiton - leicht und auch aus Leinen, Peplos - schwerer, mehr Stofffülle, immer Wolle abstrahieren.

Mein Chitonstoff sieht jedenfalls recht eigenwillig antik bunt in der Farbgestaltung aus ;-) 






Sonntag, 27. April 2014

Lichtechtheit

Wollskala oder auch Lichtechtheit bezeichnet die Fähigkeit einer Wollfarbe, so wenig wie möglich bei direkter Sonneneinstrahlung zu verbleichen.
Das gilt natürlich auch für Pflanzenfarben und wenn man sich mit der Pflanzenfärberei beschäftigt, stößt man unweigerlich auf Aussagen wie: "...die sind doch gar nicht lichtecht!"

Es fällt schon auf, dass einige Pflanzenfarben, darunter auch die schönsten und leuchtkräftigsten, nach einiger Zeit verblassen. Dieser Prozess ist erst unmerklich und viele Darsteller geschichtlicher Epochen bemerken erst nicht, dass die Pflanzenfarbe ausbleicht. Erst bei einem Vergleich mit geschützten Stellen wie bei Nähten kann man die Unterschiede sehen.
Allerdings gibt es auch Pflanzenfarben, die auch nach Jahren noch frisch und kräftig aussehen. Wenn man aber nicht ein Vergleichsstück im Dunkeln aufbewahrt hat, ist ein direkter Vergleich nicht möglich.
Dem wollte ich mal ein wenig nachforschen, wenn auch nicht unter Laborbedingungen oder experimentellen Voraussetzungen.
Dazu habe ich pflanzengefärbte Seide um ein Stück Pappe gewickelt, eine Hälfte lichtdicht abgeklebt, beschriftet und die Kärtchen direkt an einer südwestlichen Fensterscheibe befestigt. Was nach insgesamt knapp drei Monaten dabei herausgekommen ist, könnt ihr hier sehen, die Probereihe werde ich mit anderen Farben weiter fortsetzen.

Die Seite, die dem Licht ausgesetzt war, ist auf den Fotos immer links!





Die Tinte aus meinem Rollerball ist definitiv nicht lichtecht!

Es gibt übrigens eigentlich nur sehr wenige 'Aussagen zu der Lichtechtheit von Pflanzenfarben im Netz, hier das was ich dazu bisher gefunden habe (die Liste wird kontinuierlich ergänzt):
http://www.artemis-pflanzenfarben.de/index.php?ccPath=5

http://www.baubio.ch/de/bildung/abschlussarbeiten/Faszination_Pflanzenfarben_2007_Nr_225.pdf
Bei diesem Link geht es überwiegend um die Verwendung von Pflanzenfarbpigmenten in der Malerei.
http://pflanzenfarben2013.blogspot.de/2013/06/echtheitstest.html
https://www.planet-schule.de/sf/multimedia-simulationen-detail.php?projekt=farben_ausbleichen
Dieser Link ist recht anschaulich, unter anderm wird das Ausbleichen von Baumwolle bei Färbung mit Pflanzenfarben simuliert.

Dienstag, 22. April 2014

1 Woche Island

In der Woche vor Ostern gab es mal wieder eine Reise: Sagenhaftes Island und historische Handarbeiten und diesmal waren zwei Paare mit. Obwohl das Wetter sehr anstrengend war - viel Sturm, Schnee, Regen, Eis  - hatten wir auch ne Mange Spaß und haben wieder viel gesehen.
Obenauf Rhabarberwurzel
Unter anderm waren wir bei Hespa (Guðrún), was im übrigen Strang auf deutsch heißt,  der isländischen Pflanzenfärberin, die uns gern ihre Färbewerkstatt gezeigt hat und die isländischen Pflanzen, mit denen sie färbt.
Eine große Farbauswahl



In dieser überwältigenden Kulisse hat Guðrún ihre Werkstatt.
Isländische Flechten


























Außerdem durftn wir in Hvolsvöllur an einem ganz besonderen Projekt teilnehmen: 
dem Njálurefill

Hier wird ein 90 m langer Teppich im Stil des Bayeuxteppichs entstehen, auf dem die Saga des Weisen Njál in Bildern umgesetzt wird. Das Design entstand in Island und wurde in Norwegen auf die Leinenbahnen gedruckt. Gestickt wird mit isländischem Garn, das mit Pflanzenfarben von der Kerntruppe eingefärbt wird. Kerntruppe deshalb, weil auch andere Leute, die mitwirken möchten, zu dem Werk beitragen können.
Wir durften nach einer kurzen Einweisung ebenfalls mitsticken und ich hätte so wie Regina gern noch weiter gemacht, aber leider wurde das Museum um 17 Uhr geschlossen.
Die voraussichtliche Fertigstellungszeit wir etwa 9 Jahre betragen, also noch Zeit genug daran mitzuwirken.
Das Projekt finanziert sich übrigens über Spenden.
Das Leinen ist auf einen langen Rahmen gespannt

Die Vorlage ist im Vorraum ausgestellt
Die Begrenzung wird von mir hier mit blauem Garn im Stilstich ausgeführt, die Flächen werden im Bayeux-Stich gestickt.

Hier sind die Pflanzenfarben, die benutzt werden.




Ein Motiv aus der Saga

Mittwoch, 9. April 2014

IRM - und Ruhepause

Am Wochenende waren wir wieder auf der IRM in der Villa Borg. Es war wunderschön, aber auch sehr anstrengend. Der Raum, in dem wir ausstellten, war für uns 4 (Zeitensprung, Zeitenhandel, Archäotechnik Crumbach und wir) ziemlich eng und etliche Besucher drehten schon am Eingang um, wenn es so voll war.
Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr woanders stehen können. Ansonsten gab es sehr interessante Gespräche und ich habe es sogar geschafft, den Vortrag von Marianne anzuhören - sehr spannend (siehe Programm IRM) .
Am Montag Morgen musste ich wieder auf der Matte stehen, aber dankenswerterweise fangen ja am Freitag die Ferien an. Ich werde hier mal eine klein Ausszeit nehmen, nach Ostern geht es weiter.
Die eisenzeitliche Ausstattung

Die Hasenborte wurde aus meiner Seide gefertigt, ein echtes Schmuckstück
Das Perlengarn hatte Randy auf der letzten Messe verkauft, hier wurde uns das Resultat gezeigt ;-)


Die Gewinnerin der Preisfrage

Und darum gings: Wieviel Gramm Garn wurden für diesen Prachtmantel gebraucht?

Sonntag, 23. März 2014

Ein Schleiertuch

Zur Zeit arbeite ich gerade an einer kleinen Kostbarkeit.
Eigentlich ist der Stoff simpel, einfacher 2/2 Köper, mit einer Breite von 70 cm und einer geplanten Länge von 140 cm. Es ist das Material, das den Stoff so besonders macht.
Marianne aus Island hat aus handverlesener Islandwolle ein hauchfeines Garn gesponnen, mit unterschiedlicher Spinnrichtung und Spinndrehung.
Wie schon bei dem sehr lesenswerten Artikel von Silvia über die Herstellung einer frühmittelalterlichen Hose erwähnt, wurden die Garne für die Stoffe oft in zwei Spinnrichtungen gesponnen, zum einen um ein dekoratives Muster  wie bei dieser Tunika in Spinnrichtungsmuster oder einen auf Silvias Blog beschriebenen Effekt zu erzielen.
Das alleine wäre ja schon der Erwähnung wert, aber die Farbe ist das zweite. Marianne hat das Garn mit Rocella tinctoria bzw. Ochrolechia parella gefärbt. Das sind Flechten, die in der weiten Vergangenheit zum Färben von Tectilien benutzt wurden, besonders um das teure und daher nur wenigen Leuten zugängliche echte Purpur aus Schnecken nachzuahmen.
Aus der erstgenannten Flechte, die auf den Inseln im mittelatlantischen Raum wächst, wurde das Orseille, aus der zweiten, die eher nördlich beheimatet ist, wurde das Cudbear gewonnen, in Schottland auch im großen Stil, bis die Flechtenvorräte erschöpft waren.

Das Garn wird nun zu einem Tuch verwebt, das als Schleiertuch verwendet werden soll, im folgenden Link sind verschiedene Trageweisen von Tüchern für die Kopfbedeckung aufgeführt!

http://wh1350.at/kleidung/verschiedene-kopfbedeckungen-in-der-umsetzung/


Leider musste Marianne das hart gesponnene und damit kettgeeignete Material nachfärben und nachspinnen, die Farbtöne sind unterschiedlich. So erhält sie einen gestreiften Schleier, der aber von sehr großer Strahlkraft ist - ein faszinierender Farbstoff!
Flechtenpurpur
Der schwarze Streifen an den Rändern ist übrigens naturbraune Wolle, die mit Ochrolechia überfärbt wurde!



Marianne wird auf der IRM einen Vortrag halten:
 http://www.reenactmentmesse.de/p_programm_IRM2014_vortrag.htm#vortrag4







Ich bin schon sehr gespannt!



Hier ist übrigens mal ein Vergleich: ein Prachtmantel, der durch die Verwendung unterschiedlich gefärbter Schuss- und Kettgarne einen optischen Eindruck von Purpur erwecken soll (unter anderem wie beim Mantelstoff aus dem Fürstengrab von Hochdorf) und dann auf dem Webstuhl der Flechtenpurpur. Das Foto ist übrigens abends ohne Blitz aufgenommen, deshalb wirken die Farben viel kühler als auf dem 1. Foto.