Samstag, 27. September 2014

Mal was von Hans

Rosemarie Stadler: Die Tracht der frühkeltischen Frau Eine Rekonstruktion nach Vorbildern aus Südwestdeutschland ,
Hg: Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern e.V., Portät Archäologie Heft 6, Esslingen 2014,
ISBN 978-3-9808926-7-4 , Preis 7€

Auf der Heuneburg wurde das Heft von der Verfasserin selbst vorgestellt, welche dabei auch die im Heft beschriebene Ausstattung trug.
Es handelt sich nicht, wie der Obertitel vermuten lässt um eine Monographie über die Tracht der frühkeltischen Frau, sondern um die Beschreibung des langen Wegs von dem Gedanken an eine Darstellung bis zum endgültigen Produkt. Ich zitiere S. 5 „ Ziel war nicht die Rekonstruktion eines geschlossenen Frauengrabes, sondern die Präsentation typischer Trachtbestandteile und Textiltechnikenwährend der späthallstattzeitlichen Stufen Ha D1 und D2 im südwestdeutschen Raum, insbesondere aus der Region an der oberen Donau und um die Heuneburg.“
Daraus ergibt sich, dass es eben keine eindeutig festlegbare Ausstattung ist, sondern eben ein , meiner Ansicht nach gelungenes, Konglomerat aus etlichen verschiedenen Fundstellen.

Zuerst wird die unumgängliche Recherche beschrieben, welche jeder Darstellung vorausgeht. Funde aus der vorgegebenen Region wurden durch Vergleiche mit Funden aus dem gleichen Zeitraum aus anderen Gegenden verglichen und kombiniert, um ein einigermaßen passendes gGsamtbild zu erzielen. Hier hätte vielleicht noch etwas ausführlichere Literaturrecherche betrieben werden können, aber die grundlegenden Veröffentlichungen für die Region fanden alle Berücksichtigung. Auch wurde mit kompetenten Fachwissenschaftlern zusammen gearbeitet, so dass keine groben Schnitzer vorkommen konnten. Die getroffenen Entscheidungen für Gewebe, Farbe, Bindung und Muster werden fundiert begründet. Einige Leser und Betrachter werden wohl Anstoß an der hohen Anzahl von Swastiken nehmen. Doch hier sprechen die Funde für sich.

Im 2. Teil kommt die Weberin selbst zu Wort und sie gibt einen ausführlichen Überblick über alle notwendigen Arbeiten vom Spinnen über das Färben bis zum Weben. Ein paar Tipps für Hobbyspinner, Färber und Weber fallen dabei auch noch ab. Interessant für alle, welche von diesen Tätigkeiten keine große Ahnung haben sind die Zeitangaben für die einzelnen Arbeitsschritte.

Im 3. Teil wird kurz auf die Metallteile, Gürtel, Fibeln und Schmuck, eingegangen, auch hier wieder mit Erklärung, weshalb gerade diese Muster und Formen verwendet werden.

Im 4. Teil wird noch über das Schuhwerk berichtet.

Fazit: Es handelt sich um eine lesenswerte, informative Broschüre für alle, welche a) sich für die Tracht der frühkeltischen Frau dieser Region und Zeit interessieren oder b) sich einmal über den langen Weg von der Idee einer Rekonstruktion bis zum fertigen Produkt informieren wollen.
Die Bebilderung des Bandes ist gut, doch ich vermisse leider ein Foto von Frau Stadler mit aller Pracht, so wie sie auf der Heuneburg zu bewundern war. Leider ist die ausgewählte Literatur sehr schmal geraten.

Kommentare:

  1. Die Zeitangaben sind nicht nur für Leute, die noch nie was mit Textilproduktion zu tun hatten interessant - das ist DIE Frage, die immer wieder von Besuchern gestellt wird.
    Außerdem schreibt man ja nicht immer mit, wie lang man für welchen Arbeitsschritt gebraucht hat und ehrlich gesagt werde ich wohl auch nie alle Schritte, die zur Entstehung dieser Tracht geführt haben, nachmachen - z.B. genug Garn für einen Mantel mit Zirn in Kette und Schuss mit der Handspindel spinnen!! Was die Leute aber damals ja nun mal machen mussten, wo sollte es sonst herkommen...

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  2. Die Zeitangaben sind nicht nur für Leute, die noch nie was mit Textilproduktion zu tun hatten interessant - das ist DIE Frage, die immer wieder von Besuchern gestellt wird.
    Man schreibt ja nicht immer mir, wie lange man für was gebraucht hat und ehrlich gesagt werde ich wohl such nir alle Schritte, die für diese Tracht nötig waren, nachmachen - z.B. genug Garn für einen Mantel mit Zwirn in Kette und Schuss mit der Handspindel spinnen!! Was die Leute aber damals ja nun mal machen mussten, wo sollte es sonst herkommen...
    LG
    Steffi

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