Freitag, 26. Februar 2016

Das Ergebnis - Islandprojekt Teil 12

Arbeiten von
Marianne: Spinnen, Färben, Nähen des leinenen Unterkleids, Nähen des Hängerocks Fingerloopband
Marled: Spinnen, Färben, Weben der Stoffe und Brettchenborte

Nachfolgend unsere Ausflistung der Arbeiten und der Vergleich mit dem Original bzw. seiner Beschreibung.
Wie man sieht, ist unsere Arbeit voller Kompromisse, aber auch Erkenntnisse, die wir vielleicht bei einem nchsten Versuche umsetzen können.
Die Ovalfibeln, die Kleeblattfibel und die Perlen entsprechen nicht dem Fund, weil wir in der Kürze der Zeit keine Repro derselben besorgen konnten!





Abkürzungen: n.a. nicht ausgeführt
Original
Anmerkung
Repro
Anmerkung

Wolle: Island
S. 37, keine Angabe über Grundfarbe
Wolle: Island
In D als Islandwolle gekauft, im Kammzug, Arbeitsschritt Scheren, Waschen, Kämmen n. a. , braun und weiß

Garn Schürze z/z
S.32, Spindel, keine Angaben über Twist und Fasertyp
Z/z
Spinnrad, tog und þel gemischt,



Farbe: Indigotin, vermutlich aus Waid, S. 32
Waidpulver Kremer
Gefärbt mit Entfärbermethode

Garn Träger
S. 35/37 z/s
Z/s
Spinnrad nur weiß




Farbe. Indigotin, vermutlich aus Waid
s.o.
s.o.












Stoff
Fragment, def. Als 2/2 Köper, 11/10 F/cm
S. 34
10 F/cm Schuss
11 F/cm,
fertige Breite
53 cm
Länge??
Interpretiert als Diamantköper, eingestellt auf eine Breite von 56 cm 568 F, Einzug 1-2-3-4-1-2 4-3-2-1-4-3
braunes Garn, da zu wenig Blau da war, blau als Schuss.
Der Diamant entspricht nicht der Ansicht im Foto
wahrscheinlich ist das Originalgarn dünner um einen querlanggestreckten Diamant zu erreichen.
Beim Weben sehr flusig, musste geschlichtet werden mit 2 El Maisstärke und 1 El Olivenöl auf ½ l Wasser


Brettchenborte
S. 33, light cream coloured central band, flanked by two brown bands
gezwirnt? 10 Brettchen? Foto S. 35,
Breite??
12 Brettchen
4 braun
4 hell
4 braun
Flechtenfärbung
Garn z gesponnen, s gezwirnt
Nicht als Starterborte integriert, sondern nachträglich aus technischen Gründen an den Stoff mit den Kettfäden als Schuss angewebt.
Fehler beim ersten Anweben: Brettchen z/s gestellt, nach gründlicher Ansicht des Fotos S. 34 wahrscheinlich alle, bis auf die Randbrettchen s-gestellt


Nähgarn
Keine Angaben
Wolle: Island
Tog, gekämmt, Waid
Hergestellt nach Funden in Grönland mit reinem Tog, gezwirnt, weniger als 1 mm Durchmesser, mit dem Spinnrad, gefärbt mit Entfärbermethode


Schnitt
S. 32 „apron dress“ k. w. A.
Schnitt für den smokkur
Vorderteil, Rückenteil, 2 seitl. Geren, Träger
Schnitt nach angenommenen Repros basierend auf Funden z. Bsp. Von Haithabu




Nähte
k. A.
Versäuberungsnaht


Nach visueller Inspektion der Fotos sind wir der Ansicht, dass die Träger evtl mit Überwendlingsstichen zusammengenäht wurden
Bei den anderen Nähten wurde zuerst die Kanten (bis auf die Webkanten) mit einem Sicherungsfaden umnäht, und die beiden Teile dann mit „running stitch“ zusammengenäht, Saumzugabe mit kleinen Stichen festgenäht


Träger
S. 35 – 37 2/2 Köper, Fadendichte 9/7, z/s Farbstoff getestet auf Indigotin, „strap was attached to the apron“
Träger nicht wie sonst in Fundlagen als Schlaufen befestigt (kleine vorne, längere hinten) sondern Fibelnadel durchsticht den Stoff des Hängerockes (verursachtes Loch deutlich zu erkennen auf S. 39)


Köper 2/2
Fadendichte 9/7 cm
Z/s
Problem: die Angabe der Fadendichte im Buch korrespondiert nicht mit dem Foto der Träger, darauf sind etwa 4 Fäden pro cm mit dünnerem Kett und dickerem Schussgarn zu erkennen, was auch durch die Ansicht des realen Fundes so bestätigt wird. Träger als Band gewebt, dadurch keine Kantenversäuberung notwendig.
Träger hinten direkt angenäht, vorne lose, Befestigung durch die Fibelnadel, die durch Stoff und Träger gestochen wird.























Montag, 22. Februar 2016

Gedanken zwischendurch - Islandprojekt Teil 11

Besuch im rekonstruierten Hof von Eiríksstaðir
Text: Marianne G.

Während ich sitze und geduldig Stich für Stich mache, schweifen die
Gedanken. Ich sitze in einem geräumigen Atelier, gut beheizt und
beleuchtet, habe Zentimetermaß, Stecknadeln und Scheren. Und einen großen
Tisch.

Aber wie haben die isländischen Vormütter gearbeitet? Traditionell aßen,
lasen und arbeiteten die Isländer auf der Bettkante sitzend, für Tische
war in den kleinen Torfhäusern kein Platz. Außerdem war Holz
ausgesprochene Mangelware und wurde eher zum Bauen benötigt. Beleuchtung
waren ganz früher Tranlampen, später Petroleumlampen. Strom kam hier
mancherorts erst in den 40-50ern.

In der Zeit unserer Darstellung kann man sich vorstellen, daß man statt
Zentimetermaß einfach einen Faden benutzte, statt Stecknadeln Fischgräten
(große, vom Dorsch), den Schnitt von einem aufgetrennten alten
Kleidungsstück. Sehr interessant ist die Vermutung von Else Østergård, daß
in den isländischen Siedlungen in Grönland eine ausgehängte Tür als
Zuschneidetische benutzt wurde (Østergård, Woven into the Earth 2004:94),
die Näharbeiten kann man ja sitzend  auf dem Bett verrichten.

Zur Landnahmezeit in Island gab es schon Scheren wie heute, also
Gelenkscheren, allerdings waren sie kleiner als die Bügelscheren, die man
zum Schafescheren benutzt. Diese kleinen Gelenkscheren von ca 14 cm Länge
waren wohl eher zum Haareschneiden geeignet und die größeren Bügelscheren
zum Schneiden der dicken vaðmál Stoffe.

Nähnadeln aus Metall, meist Bronze, waren eine Kostbarkeit, die man in
Nadeldosen aus Metall, Knochen, Federkielen oder Schwanenfüßen
aufbewahrte. Um die Nadeln spitz zu halten, wurden sie mit kleinen
Wetzsteinen geschärft, die an einem Ende durchlocht waren und  am Gürtel
aufgehängt werden konnten.

Sonntag, 21. Februar 2016

Bald fertig - Islandprojekt Teil 10

Für mich lag noch eine Webarbeit an; der Stoff für die Träger. Die Fertigstellung hat nicht viel Zeit in Anspruch genommen, vorgesehen waren ja nur etwa 50 cm pro Träger.Das Garn ist, wie schon vorher erwähnt, anders als der Hauptstoff, als z-Garn für die Kette und s-Garn für den Schuss versponnen worden.
 
Eigentlich wollte ich die Träger aus einem Stück schneiden, und habe etwa für 20 cm Breite und mit viiiiiiiieel Reserve für 120 cmLänge eingezogen. Das ging auch alles wunderbar und das Anweben war völlig problemlos Das Fach war von Beginn an diesmal perfekt und groß, das Kettgarn verhielt sich einwandfrei und musste nicht geleimt werden und nach den ersten 50 cm kam mir das so einfach von, dass ich mir noch ne Schwierigkeit ausgedacht habe.
Ich habe die Kette in drei Teile geteilt und jeden Teil einzeln gewebt, so dass etwa 6 - 7 cm breite Einzelstreifen entstanden, die dann später nicht an den Rändern extra versäumt werden müssen.










Es blieb dann immer noch Kette übrig, die ich für eine Demonstration genutzt habe; ich habe immer abwechselnd in Streifen von etwa 2 cm z- und s- gesponnenes Garn verwebt. Ich glaube, den Unterschied kann man gut erkennen.

















Teil 11









Freitag, 19. Februar 2016

Besuch in der Wollwäscherei von Istex

Heute durften wir die Wollwäscherei von Istex (Álafoss yarns) besuchen.
Wir wurden durch die verschiedenen Stationen geführt und bekamen viele Informationen.
Die Wolle wird entweder von den Bauern direkt angeliefert oder mit LKW eingesammelt, und zwar übers ganze Jahr.
Es gibt zwei Schuren, eine im Herbst und eine im Spätwinter/Frühjahr. Die Wolle wird von den Schafzüchtern schon vorsortiert:
Klasse 1 Lammwolle, die nicht verunreinigt sein darf
Klasse 2 Lammwolle, die schmutzig, etwas verfilzt, weniger weiß ist
und dann die beiden Klasse für Wolle von erwachsenen Schafen, sie ist im Durchschnitt nicht so weich wie die von den Lämmern.
Außerdem gibt es eine extra Stelle für Wolle, die farbvermischt ist also von scheckigen Schafen und
für Wolle die von grauen, schwarzen, braunen Schafen stammt und jeweils separat verarbeitet wird.
Die Wolle kommt zuerst in den Reißwolf, der die Fasern grob auseinanderreißt, Vlies, das schon zu stark verfilzt ist wird hier aussortiert.











Dann kommen die Fasern in die Waschstraße mit fünf Waschbecken, im ersten wird mit Soda gewaschen, im zweiten mit soda und Waschmittel, im  dritten nur Waschmittel und in dem verbleibenden wird die Wolle nur gespült. Es verbleibt ein Restfettgehalt von max. 12,5 %

Das übrigens natürlich heiße Wasser kommt danach in ein Klärbecken wo sich die festen bestandteile absetzen und danach in eine Kläranlage, wo mit Hilfe von Bakterien das Fett zum Beispiel abgebaut wird, bevor es dann in den Ozean läuft.








Nach der Wäsche werden die Fasern durch einen Trockner geleitet, der am Ende mit Hilfe eines elektronisch gesteuerten Auges und einer Gewichtsmessung die noch verfilzten und zu gelben Teile absondert; der Rest wird in eine große Presse gesaugt und dort mit 40 Tonnen Druckzu Ballen gepresst. Die werden dann zur Verabeitung nach Mosfellsbær geschickt.













Der Betrieb verarbeitet jährlich 800 - 900 Tonnen Wolle, hat eine Lagerkapazität in der Halle von 200 Tonnen, davon etwas weniger als die Hälfte 1. Klasse Fasern, die im Hauptwerk gesponnen werden, die 2. Klasse geht hauptsächlich nach England auf Auktionen und von den farbgemischten Fasern auch viel nach Deutschland.
Die farbigen Wollen werden ausschließlich in Island selbst verabeitet.









Mittwoch, 17. Februar 2016

Neue Ideen - Islandprojekt Teil 9

Den Bericht unseres Fortschritts bekommt ihr heute von Marianne, die für die Näharbeiten verantwortlich ist!
 
 
Gewebt waren 3 Meter, genug für den von Hayeur-Smith angenommenen
(natürlich nicht bewiesenen) 'apron dress'. Es kostet viel Überwindung, so
ein Stück zu zerschneiden, aber mit gemeinsam angehaltenem Atem und einer
scharfen Schere ging es.
 
 

 Vorder- und Rückenteil jeweils ca. 1,10 m. Das Kleid wird an den Seiten
unter den Achseln ca 15 cm geschlossen, daran anschliessend Geren. 
 
 Das Stoffstück für die Geren wurde längs doppelt gelegt, an der Faltkante mit
Stecknadeln fixiert und diagonal geschnitten. So ergeben sich eine ganze
Gere und zwei halbe, welche zu einer ganzen zusammengefügt werden. Ein
falscher Saum mittig in der ganzen Gere ergibt ein symmetrisches
Erscheinungsbild. 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 Alle Schnittkanten wurden mit einem Einlegefaden mit dichtem
Überwendlingsstich gesichert, weil sie etwas fransten. Die Teile werden
mit Vorstich zusammengefügt. Anschliessend werden die umgelegten Kanten
mit kleinen Vorstichen (stab stitch) befestigt.  
Nähgarn: aus einem weißen Vlies wurden die tog Haare herausgezogen und mehrfach gekämmt, um alles þel zu entfernen. Das tog wurde auf einem Spinnrad sehr fein und mit viel Drall gesponnen und verzwirnt. Anschliessend mit Waid (Entfärbermethode) gefärbt. Der Faden ist ca 1/2 mm fein, sehr reissfest und glatt. So gleitet er mühelos durch das Gewebe.
 
 
Marianne Guckelsberger 
 
Teil 10 


Montag, 15. Februar 2016

Probleme - Islandprojekt Teil 8

Heute habe ich nochmal gefärbt, das Garn für die Träger, die ja mit z/s Garn gewebt wurden.
Um auszurechnen wie lang die Kette sein soll, habe ich mir nochmal unsere Primärquelle zu Gemüte geführt. Und ja, danach habe ich eine laaaange Diskussion mit Marianne geführt, weil uns die Fundzeichnung im Buch mehr Fragen aufgeworfen hat als sie zu beantworten!!!
Normalerweise werden die Schalenfibeln ja so wie auf diesem Bild am Hängerock befestigt mit einer kurzen vorderen Schlaufe und einer längeren hinteren. So sagen es einige Funde un die meisten Darsteller verwenden inzwischen diese Methode.
http://2.bp.blogspot.com/-wcZ2kFdn38Y/T84UBxbU_VI/AAAAAAAAAr4/bw-wt87vWiQ/s1600/2012-05-22+19.27.16.jpg
von der Seite http://maidenanachronism.blogspot.is
Sehr anschaulich hat das Hilde Thunem in ihrer Beschreibung mit vielen Fundhinweisen dargestellt, ihr Artikel ist sehr lesenswert!
http://urd.priv.no/viking/smokkr.html

Das habe ich irgendwie auch gar nicht in Frage gestellt, bis ich mit die Überreste der Träger im Buch angeschaut habe. Und da kamen meine Fragezeichen.
Zuerst einmal steht im Text, dass die Träger für den Hängerock eine Fadendichte von 9/7 F pro cm hatten. Leider entspricht das Foto mit seinem Maßstab nicht diesen Angaben. Marianne hat in der Ausstellung im Nationalmuseum die Teile selbst gesehen und meinte, die Träger sind tatsächlich etwa 2 bis 2 1/2 cm breit. Dem Foto entnehme ich dann eine Anzahl von etwa max. 4 Kettfäden pro cm.
Des weiteren verwirrt uns die Zeichnung der Verfasserin über die Lage der Stoffschichten in der Schalenfibel. Eigentlich dürften ja nur Reste der Schlaufen und des leinenen Unterkleides in der Fibel zu erkennen sein, aber hier sind es eine Lage Leinen, einen Lage Hängerockstoff mit der integrierten Brettchenborte und ein Stück vom Träger, nicht als Schlaufe!
Ich interpretiere das inzwischen so: der 2 cm breite Träger war am Rockstoff angenäht und die Fibel wurde im Bereich der Borte direkt durch den Stoff gestochen. Ungewöhnlich, aber eigentlich mit der Fundlage und der Darstellung auf Fotos und Fundzeichnung nicht anders erklärbar!

Detailaufnahme Borte
Inzwischen habe ich übrigens die Borte an den Stoff angewebt. Die ursprüngliche Überlegung, auch am Rückenteil eine Borte anzuweben, verwerfe ich inzwischen. Hayeur interpretiert die Borte ja als Gewebeanfangskante und ich bezweifle, dass extra für das Rückenteil nochmal eine Kette am Gewichtswebstuhl eingerichtet wurde.

Teil 9
Die als Schuss eingelegten Fransen werden abgeschnitten.

Überfärbtes braunes Garn mit Waid

Bisheriges Abfallgarn!



Freitag, 12. Februar 2016

Zwischenstand - Islandprojekt Teil 7

Etwa 50 cm Kettrest


Abschneiden


Gerissene Kettfäden - ich hab ziemlich gekämpft.
Das reicht für den Hängerock









Heute ist der Stoff vom Webstuhl genommen worden, ich habe ihn nicht mit einem Metermaß gemessen sondern angelegt am Körper. Es passt wunderbar für einen Hängerock mit Keilen an der Seite.
Danach habe ich all die Schlichte rausgewaschen und jetzt trocknet er auf dem Wäschereck.

Das (gezwirnte) Garn für die Brettchenborte ist auch schon mit isländischen Flechten gefärbt und sobald der Stoff getrocknet ist, werde ich die Borte anweben, sehr schlicht mit zwei dunkleren Außenstreifen und einem helleren Mittelstreifen.



Ich weiß nicht, ob es noch einen Fund gibt, bei dem die Brettchenborte in das Gewebe integriert ist, ich kenne nur die meist sehr aufwändige Variante mit broschiertem Goldlahn, die hinterher angenäht wurde.

Es wird noch etwas dauern, bis der Stoff trocken genug ist, deshalb werde ich in der Zwischenzeit der z-Garn für die Träger weben. Genügend s-Garn habe ich schon.
Ich finde den Fund schon durch die Verwendung von z/z Stoffen und z/s Stoff für die Träger interessant, er vereint zwei Spinntraditionen des 10. und 11. Jhdts., die nordwestliche Variante z/z in Norwegen und im Nordwestteil der britischen Inseln; z/s im mehr südöstlichen Teil Schwedens mit der Ausnahme Gotlands, der britischen Inseln, Niederlands Norddeutschland bis hin nach Russland. Eine Karte der Verteilung findet sich hier:
Spin direction across Northern Europe
aus: Michele Hayeur Smith, Weaving Wealth: Cloth and Trade in Viking Age and Medieval Iceland- proof (keine weiteren Angaben)


Kleine Randbemerkung, bevor hier Kritik angemerkt wird: Wir haben nur eine kleine Menge Flechten und ausschließlich für dieses Projekt hier in Island geerntet und gebraucht. Flechtenfärbungen sind im nordischen Frühmittellater nachgewiesen und wurden in Teilen der Britischen Inseln bis ins 19. Jhdt verwendet, ab dann acu industriell, was nahezu zum Aussterben der benutzten Flechtenart geführt hat. 
Ich lege sehr viel Wert auf Pflanzenschutz, grad im Färbebereich und halte das Färben mit Flechten nur unter bestimmten Bedingungen für vertretbar. 




Teil 8

Dienstag, 9. Februar 2016

Fehler - Teil 6 Islandprojekt

Nach dem Schären (Ablängen der Kettfäden) ging es daran, die Kette auf den Webstuhl zu bringen. Ohne meinen Mann (wir sind inzwischen beim Aufbäumen ein eingespieltes Team) war das schwieriger und es stellte sich auch hinterher raus, dass die Kettspannung durchaus ungleichmäßig ist. Danach wurden die Fäden in einer bestimmten Reihenfolge in die Litzen und in das Blatt eingezogen um den Diamantköper zu ermöglichen.

Und dann, ja dann wollte ich anfangen zu weben! Aber es gab erstmal ein großes Chaos. Die Kettfäden klebten extrem stark trotz des starken Dralls aneineander und ganz schnell rissen die ersten Fäden. Außerdem öffnete sich das Fach nich richtig, weil die Schäfte schlecht angeschnürt waren. Also ab unter den Webstuhl, Schäfte neu angeschnürt und eine Schlichte gegen das Kleben gekocht.

Für die Schlichte habe ich das genommen, was da war: Maisstärke, Olivenöl und Wasser. Das wurde zusammen aufgekocht und nach dem Abkühlen als glibbriger Schleim auf die Kette aufgetragen. Das legt die Faser schlicht (siehe o.a. Link) und glatt aneinander.
Am nächsten Morgen gab es den nächsten Versuch. Die Fasern klebten jetzt nicht mehr so aneinander, aber das Fach, wo das Schiffchen durchmuss, war immer noch mies und unregelmäßig! Also wieder unter den Webstuhl, verschiedene Anbindeschnüre ersetzt, verlängert, verkürzt. Leider ergab das immer noch nicht das gewünschte Resultat, die Querschemel behinderten sich gegenseitig.
Erst am Tag danach und mit kompletten Abbinden und neu Aufbinden von Tritten und Schemeln gab es endlich, endlich ein zufriedenstellendes Fach, das einen flüssigen Webablauf gewährleistet.

Es reißen jetzt immer noch Fäden und das Muster kommt nicht so schön heraus durch die aufgetragene Schlichte, aber es geht endlich voran.

Was mich jetzt brennend interessieren würde ist ein genaues!!! Wissen um die Wollvorbereitung und  Spinntechnik des Frühmittelalters  und ob vielleicht auch Schlichten verwendet wurden. Natürlich sind die kaum noch nachzuweisen, da sie ja bei der ersten Wäsche herausgewaschen werden. Ein Stärkekleister und Tierfett dürfte ja im Bereich des Möglichen gelegen haben. Für Hinweise auf Untersuchungen wäre ich sehr dankbar.

Fazit insgesamt der letzten drei Tage: nicht nur die handgesponnene Kette sondern auch der Webstuhl sind etwas zickig und müssen mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt werden. Schließlich hat der Webstuhl, so wie die andern im Raum schon ein gewisses Alter auf dem Buckel ;-)








Teil 7








Freitag, 5. Februar 2016

Geschärt - Islandprojekt Teil 5

Es waren bisher schon etliche Kompromisse vonnöten, der letzte ist das Kettgarn. Nachdem wir festgestellt haben, dass für das Schürzenprojekt zu wenig blaues Kettgarn vorhanden ist  (Fehler beim Messen der gesponnenen Garne), musste ich mir schnell was anderes einfallen lassen.
Natürlich ist auch auf die Schnelle kein Waid zum Nachfärben mehr aufzutreiben, so dass ich jetzt kurzentschlossen zum braunen Garn greifen muss, das eigentlich für ein anderes Projekt gedacht war.
Das komplette Kleidungsstück soll zurück in D dann nochmal mit Waid überfärbt werden und ich bin jetzt schon gespannt, wie das braune Garn den Farbstoff annehmen wird. Wahrscheinlich wird es einen deutlichen Unterschied zwischen Kett- und Schussgarn geben.
Ich bringe die Kette auf den Kettbaum und bevor ich mit dem Litzeneinzug beginne, schaue ich noch einmal ins Buch.

Im Buch heißt die Stelle:
"The apron itself, was a woolen 2/2 twill, z/z spun with an almost equal thread count of 11/10."

Michele Hayeur in: Bundled-up in Blue - the re.investigation of a viking grave, Reykjavík 2015, Seite 32.
Soweit so gut, die 11/10 Fadendichte und die Spinnrichtung sind gewährleistet, aber das zugehörige Bild auf S. 34 lässt mich sofort an etwas anderes denken. Es handelt sich nur um eine relativ kleines Stück Stoff, das da in die Ovalfibel gepresst war. Das Bild lässt mich sofort an einen Diamantköper denken.
Ich nehme Rücksprache mit Esther, der netten Weberin aus Belgien, die auch eine Menge Ahnung hat, und einigen Fachfrauen aus D, und alle sind der gleichen Meinung wie ich. Ein kleiner Blick in die Fundlage der benachbarten Länder um die gleiche Zeit, z. Bsp. Haithabu oder Oseberg etwas früher zeigt ebenfalls Funde von Diamantköper, die als dem Hängerock zugehörig bezeichnet werden (Hägg u.a.)
Also, warum nicht?
Zur Verdeutlichung habe ich hier nochmal die für mich erkennbare Struktur in das Bild eingezeichnet:
Bildzitat nach § 51 UrhG

Michele Hayeur in: Bundled-up in Blue - the re.investigation of a viking grave, Reykjavík 2015, Seite 34

Teil 6

Mittwoch, 3. Februar 2016

Farbe - Islandprojekt Teil 4

Die Textilien wurden von Michele Hayeur untersucht, ihr Name wird im Verlauf des Projekt noch öfter auftauchen.
In den Ovalfibeln wurden mineralisierte Stücke verschiedener Fasern gefunden, sie wurden zur Analyse zu McCrone Associates, Inc. Chicago geschcikt. Dort wurde die erste körpernahe Lage bestimmt, bei der es sich um z-gesponnenes Leinen vom Unterkleid, wie zu dieser Zeit in Skandinavien üblich, handelt. Übert eine evtl. Färbung wird keine Aussage gemacht, ich gehe mal davon aus, dass es ungefärbt, evtl gebleicht war.
Darüber fanden sich Wollfasern, dieVermutung liegt nahe, dass sie zu einem Hängerock gehörten, der mit Schlaufen an den Fibeln befestigt war. Etwas besonderes ist das erhaltene Brettchengewebe, das nicht aufgenäht war, sondern in Gewebe integriert, Hayeur geht davon aus, dass es sich dabei um die Anfangskante des Stoffstücks handelt.
Beim Stoff spricht sie von einem 2/2 Köper, allerdings sieht das Fragmenz in meinen Augen stark nach einem Diamantköper aus. Der Stoff entspricht skandinavischen Webweisen mit z-Garn im Schuss und z-Garn in der Kette bei einer Fadendichte von 11 Fäden in der Kette und 10 Fäden im Schuss.
"Z/z spuntextiles persisted in and Viking Age norse settlements in the British isles.In other parts of Scandinavia and N-Europe textiles were woven wirh z/s spun yarn during the viking age."
M. Hayeur, Bundled up in blue, Reykjavík 2015, Seite 32
Die Faser wurden positiv auf Indigotin getestet,  wahrscheinlich aus Waid (Isatis tinctoria).


Das war auch unser erster Färbeversuch. Da diese Färbedrogen sowie die Chemikalien in Island kaum oder gar nicht erhältlich sind und auch eine Urinküpe aus Zeitgründen entfallen musste, haben wir nach der Entfärbermethode mit Waidpulver von Kremer-Pigmente gefärbt.
Ich hatte ein wenig Bedenken wegen des schwefelhaltigen warmen Wassers hier in Island, aber es hat sich jedenfalls nicht sichtbar negativ ausgewirkt.
Da auch noch Garn für ein weiteres Projekt von Marianne gefärbt werden sollte, war die Menge von etwa 5% des Wollgewichts nur für den Schuss ders Schürzenkleids ausreichend , dabei wurde die Faser nur mittelblau. Gleichzeitig hatte Marianne handgesponnenes Nähgarn in sehr großer Feinheit beigesteuert, das etwas gelblicher von natur auch war und auch im Ergebnis grünlicher ausfiel als die zuvor reinweißen Fasern.
Die Kette für die Schürze/Hängerock wird ein naturgraues Garn werden, das gesamte Kleidungsstück wird dann in D nocheinmal nachgefärbt.

Teil 5
Waidpulver

Zwirn zum Nähen

Das Schussgarn

Die Ausbeute, in Wirklichkeit heller als hier abgebildet.

Sehr feines Nähgarn, auch hier gibt das Foto nicht wirklich die Feinheit des Garnes wieder.


Dienstag, 2. Februar 2016

Angekommen - Islandprojekt Teil 3

Gestern ging es dann endlich ins Textil Setur nach Bönduós mit dem Bus.
Neben mir kamen noch weitere 6 Künstler an, die zum Teil sehr spannende Projekte vorhaben und im Haus wartete schon Marianne auf mich, meine Arbeitspartnerin für das Projekt. Sie hatte auch das Buch, das die Grundlage für unsere Reproduktion/Rekonstruktion ist!

Exkurs:
Nach einigen Diskussionen letzlich über den Begriff  Rekonstruktion möchte ich hier noch ein paar kritische Worte vorausschicken. Wir werden keine echte Rekonstruktion erreichen können, denn dazu fehlen uns eine Menge Voraussetzungen. Das Fundmaterial im textilen Bereich besteht ja meist, nicht nur in unserem Fall, aus Bruchstücken, die nur eine begrenzte Aussagekraft haben. Sie lassen keine Rückschlüsse auf die komplette Bekleidung zu, außen in den wenigen Fällen, wenn die äußeren Umstände wie Konservierung unter Luftabschluss im Moor, in weitgehend keimfreier Umgebung wie in der Wüste oder im Salz den Erhalt kompletter Ausstattungen ermöglicht hat. 
In den meisten Fällen bleiben jedoch nur textile Reste erhalten, die an metallenen Gegenständen ankorridiert sind. Das ist auch bei unserem Fund der Fall.
Ich spreche daher nur von einer Annäherung an das ursprüngliche Erzeugnis, die jederzeit kritisierbar wenn nicht sogar widerlegbar ist.  Es ist meine/unsere Interpretation des Fundes, unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Auswertung und unter Heranziehung ähnlicher Funde aus anderen Ländern und/oder Zeiten.
Wie ihr seht, ist hier auch eine ganze Menge Interpretation nötig um zu einem vorzeigbaren Ergebnis zu kommen. Deshalb solltet ihr, meine lieben Leser, immer im Kopf behalten, dass hier eine Interpretation entstehen wird, die durch unsere Erfahrungen und Kenntnisse gefärbt ist. Wir werden Kompromisse eingehen müssen - um so mehr je näher wir unserem Ziel kommen.
Aber zurück zur Fragestellung.
Mit unserer Arbeit hier im Textilsetur möchten wir Textilien reproduzieren bis zum fertigen Kleidungsstück, aus einem Grabfund im Osten Islands aus Ketilsstaðir.
Das Grab wurde 1938 zufällig bei Straßenarbeiten entdeckt. Es enthielt Perlen, einen Wetzstein, einen Prüfstein, einen unbearbeiteten Chalcedon, zwei Ovalfibeln des Typs     , eine Kleeblattfibel mit Ankanthusmotiv, bearbeitete Knochen die auf eine Verwendung als Messergriff hindeuten sowie Knochen und Teile des Gesichts die durch die Berührung mit den Ovalfibeln erhalten waren.
In den Ovalfibeln wurden außerdem Überreste gefunden, die zu drei unterschiedlichen textilen Lagen gehören. Diesen Textilien sind unsere Arbeiten hier gewidmet.

Unsere Primärquelle ist das Buch: 

Bláklædda konan- ný rannsókn á fornu kumli

 

 

das als Begleitband zur Ausstellung letztes Jahr erschien. Die Grabfunde waren nämlich so gut erhalten, dass eine neue Untersuchung in den letzten Jahren erfolgte, die neue und sehr spannende Ergebnisse erbrachten.

 

 Teil 4