Sonntag, 3. November 2013

Zur Ausstattung spätantiker Elitegräber aus St. Maximin in Trier

Hier erstmal eine allgemeine Information über die Steingräber in Trier: Aus dem Reich der Toten



Dank einer freundlichen Leihgabe von Dr. Teegen halte ich heute ein Neuerscheinung in der Hand:

Nicole Reifarth, Zur Ausstattung spätantiker Eltegräber aus St. Maximin in Trier - Purpur, Seide, Gold und Harze, Rahden/Westf. 2013

Es handelt sich hierbei um eine Aufarbeitung der Funde in den Steinsarkophagen, die in die Spätantike datieren. Das Buch umfasst 511 Seiten, 13 Kapitel einschließlich der Bibliographie enthalten eher allgemeine Bemerkungen zu den taphonomischen Prozessen, den Bestattungsformen, den menschlichen Überresten, der Präparation mit Harzen und Erdfarben, den Beigaben, einer allgemeinen Ausertung u.a. Daran schließt ein 246 Seiten langer Katalog mit Beschreibung der Einzelfunde.
Ich möchte mich hier auf die Beschreibung der Textilien, vor allem in Hinblick auf die verwendeten Fasern im allgemeinen Teil (S. 47 - 89) sowie auf auf den Katalog beschränken.

Reifarth unterteilt die Funde in Gewebe aus Pflanzenfasern, Seide, feiner Wolle und Goldgewebe. Außerdem geht sie kurz auf die verwendeten Färbematerialien ein.

Die Gewebe aus Pflanzenfasern sind nicht explizit unterschieden zwischen Flachs und Hanf, es gibt sehr feine Gewebe mit einer Fadendichte von 50x60 F/cm, das gröbste Gewebe hat 10x15 F/cm. die Fäden sind zur Hälfte s- zur Hälfte z gedreht. Es finden sich keine verwertbaren Spuren von Pflanzenfärbungen außer einigen partiellen Verfärbungen, "....die jedoch auf den direkten Kontakt mit den anderen Textillagen der darüberliegenden Purpurwolle zurückzuführen ist."
Eine Besonderheit der Pflanzenfasergewebe ist die feine Plissierung, die an einigen Exemplaren vorkommt. die meisten Gewebe weisen übrigens eine Leinwandbindung, zum Teil mit leichten Abwandlung auf.

Seide: 13 Gewebe bestehen aus Maulbeerseide, die Fadendichte liegt bei bis zu 80 Fäden!!! Da erblasse ich natürlich vor Neid, 20 Fäden pro cm sind schon sehr fein und aufwändig zu gestalten. Die Seidenstoffe wurden entweder in Leinwandbindung oder Köperdamast gewebt, im Kettfadensystem einheitlich aus z-gedrehtem Garn, der Schuss ist nicht gedreht (Haspelseide). Als Färbemittel wurden Krapp, Schneckenpurpur und Chrysophanol (Pflanzenursprung nicht bestimmbar) festgestellt.

Wolle: bis auf eine Ausnahme handelt es sich um Mischgewebe, wobei die Wolle stets im Kettfadensystem verwendet wurde, der Schuss bestand aus Seide oder Pflanzenfaser. Die Gewebefeinheit ist wieder absolut erstaunlich - bis zu 100 Kettfäden pro cm!! Die Garne sind übrigens z-gedreht. Als Farbstoffekommen überwiegend Schneckenpurpur, Krapp und Chrysophanol in Frage, in zwei Geweben wurde eine indigoide Farbstoffquelle nachgewiesen.

Zwischenbemerkung: Die Ergebnisse stützen wieder meine Vermutung, dass Indigo als DIE Farbe für die Elite überbewertet wird , zumindestens in diesem Kontext.

Der allgemeine Teil enthält natürlich noch sehr viel mehr Informationen, aber ich wollte den für Textilmotten wichtigen Bereich hier mal kurz anreißen.

Wenn man nach dieser Einleitung den Katalog durchblättert, ist man erstaunt, wie aus den dargestellten Fragment(ch)en überhaupt eine Aussage abgeleitet werden konnte. Die Bebilderung ist ausgezeichnet, aber man braucht bei den meisten Funden schon ein geübtes Auge um überhaupt eine textile Fläche entdecken zu können. Bei einigen Funden kann man nur durch die Anwesenheit des Goldlahns überhaupt eine textile Struktur erkennen.  Sehr interessant ist auch die Beschreibung der Grabfauna sowie die mikrobielle Besiedlung.

Leider ist das Buch mit 75 € doch recht teuer für den doch sehr speziellem Inhalt. Es bietet allerdings weit mehr als nur eine reine Fundbeschreibung, meine Beurteilung: empfehlenswert

Nun bin ich natürlich sehr gespannt auf den Vortrag von Nicole Reifarth in Trier am 4.12.:
Boethiolas Seidenkleid - Alltag und Luxus in der spätantiken Kaiserresidenz Trier

Kommentare:

  1. *schnappatmung* 100F/cm ??? Meine Herren !

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    1. Tja, das wär bei so eine durchschnitlichen Webbreite von 70 cm 7000!!! Fäden zum Einziehen.

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  2. Bin ich froh, dass ich mich für eine einfache Darstellung entschieden habe... Nein, im Ernst: Es nötigt mir immer wieder Respekt ab, zu erfahren, was man vor hunderten von Jahren schon drauf hatte. Danke, dass du uns alle immer wieder an deinem Wissen teilhaben lässt! LG, Morgan

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  3. Ich bin auch froh, dass ich nur eine Grönländerin darstelle, in handfestem vaðmál. In Syrien webte man schon vor 3000 Jahren so fein wie in Trier, irgendwie muss es da vielleicht einen Trick geben, den wir noch nicht raushaben. Oder ist die Sache vielleicht die, dass man schon als Kind anfangen muss zu spinnen?

    Off topic: Marled oder Silvia, erklärt ihr mir mal bitte, warum anscheinend fast immer die Kette z, der Schuss s gesponnen wird? (Grönland, Island, Haithabu, London [Seide scheint da eine Ausnahme zu sein, die ist Z/Z gewebt.])
    Warum nicht umgekehrt?

    Liebe Grüsse und Dank für deinen äusserst lehrreichen Blog!!
    Iðunn

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    1. Keine Ahnung, bei Keltens war es noch nicht einheitlich. Wahrscheinlich hat sich das mit der Massenproduktion so entwickelt, als eine gewisse Spezialisierung einsetzte. Die Weberinnen brauchten sich keine Gedanken zu machen, wie rum das gelieferte Garn denn nun gesponnen war. Silvia kam neulich schon mal auf die gleiche Idee!
      Marled

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