Freitag, 1. November 2013

Purpur - die Farbe der Könige

Es gibt noch eine Gastschreiberin, meine liebe Freundin Marianne, die eine Arbeit über die Purpurfärberei für ihr Studium an der Universität Íslands verfasst hat, hier stellt sie uns dankenswerter Weise ein Exzerpt  ihrer Arbeit zur Verfügung.



Die Purpurfärberei in der Antike



http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Diskussion:Purpur_%28Farbstoff%29

























Bis zur industriellen Revolution war die Textilproduktion das arbeits- und zeitintensivste aller Handwerke, und ihre kulturelle, soziale und wirtschaftliche Bedeutung ist kaum zu überschätzen. Ebenso gross wie das Bedürfnis nach einer schützenden Hülle war der Wunsch nach Farbe und Verschönerung. Farbe und Färbung eines Textils waren, neben dem verwendeten Material (Wolle, Seide, Flachs etc) und der Qualität der Herstellung (Feinheit des Garns, Webmuster) entscheidende Qualitätsmerkmale, die u.a. Auskunft über den sozialen Stand des Trägers gaben. In der Antike wurden Textilien systematisch gefärbt, die Minoer beispielsweise erzielten mit Krapp, Safran und Waid die Farben rot, gelb und blau. Die am meisten geschätzte Farbe jedoch, und dementsprechend teuer, war Purpur, der noch heute untrennbar mit der Vorstellung von Luxus und Status verbunden ist. Genauer gesagt handelt es sich um Tyrischen Purpur, der hauptsächlich aus der Farbdrüse der Schneckenart Murex trunculus gewonnen wurde, die im Mittelmeerraum heimisch ist. Der Chemiker Paul Friedländer identifizierte 1909 erstmals 6,6'-Dibromindigo als den farbgebenden Stoff, und etwa zur selben Zeit gelang die synthetische Herstellung von Purpur. Heute ist echter Purpur der teuerste Farbstoff überhaupt, der Handelspreis für ein Gramm liegt z.Z. bei fast 2.500 €.
Auf meiner Suche nach Farbstoffen, mit denen man blau oder violett färben kann, fand ich zunächst heraus, dass es hier in Island keine solchen Pflanzen gibt, wohl aber Flechten, mit denen sich Farben im blau-rot-violetten Spektrum färben lassen (Ochrolechia parella und Xanthoria parietina). Das ergab schöne Farben, die leider aber nicht lichtecht sind. Dann bekam ich aus Amerika Rock tripe oder Umbilicaria geschenkt, was eine intensivere violette Färbung ergab. Ein befreundeter Seemann brachte mir von den Cap Verden Rocella tinctoria mit, die zwar vermutlich auch nicht ganz lichtecht ist, aber die Farbe war einfach umwerfend. Strahlend-intensiv violett. Als ich dann in meinem Lateinstudium die Beschreibungen der Purpurfärberei von Plinius und anderen antiken Autoren las, entschloss ich mich, mich ein wenig mit der Purpurfärberei zu beschäftigen.
cc by Hans Hillewaert


Der früheste Nachweis für Purpurfärberei mit Schnecken stammt aus der Bronzezeit im Mittelmeerraum, etwa zu Beginn des 2. Jahrtausends v.Chr. In einem Grab in Qatna in Syrien fanden sich ausserordentlich fein gesponnene und gewebte Textilreste (16x70-80 Fäden/cm2), die mit Hexaplex trunculus purpurn gefärbt waren. Derart feine Weberei erfordert ausserordentlich fein gesponnenes Garn mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 mm und sie gehörte daher sicher einer hochgestellten Persönlichkeit. Mich hat besonders die hohe Qualität erstaunt, die eine lange, bislang verborgene, Vorgeschichte der Purpurfärberei erahnen lässt. Ausserdem zeugt dieser Fund von einer Eigenschaft des Purpurs, die noch heute der Traum jedes Färbers ist: Purpur ist extrem haltbar, also lichtecht, waschecht und reibecht! Abgesehen von diesem frühesten Nachweis wird die Purpurfärberei allgemein den Minoern zugeschrieben, bei denen sie eine wichtige Rolle in der Palastökonomie spielte.
Die wahren Meister jedoch waren die Phönizier, die Purpurstoffe in legendärer Qualität herstellten, u.a. den sog. Tyrischen Purpur, der mit zwei Schneckenarten doppeltgefärbt wurde (dibapha), und Amethyst, eine blau-violette Nuance. Das Nonplusultra waren purpurgefärbte Seidenstoffe, die mit Gold aufgewogen wurden. Plinius der Ältere beschrieb den Färbevorgang in seiner Naturgeschichte Naturalis Historia (9,61ff), aber seine Beobachtungen waren fehlerhaft oder unvollständig. Nach seinen Angaben erhält man jedenfalls kein Purpur. Erst moderne Experimente von Wissenschaftlern und Künstlern vermochten den Hergang zu rekonstrieren. Besonders möchte ich hier Fabienne Meiers, Deborah Ruscillo und Inge Boesken Kanold nennen.

Während des Römischen Reiches wurde Tyrischer Purpur das Monopol der Kaiser und Missbrauch wurde streng geahndet. Einerseits führte dies zu risikofreudigem Übertreten des Verbots (herrlich geschildert in der Satire Satyricon von Petronius!), andererseits zu Edikten oder Kleiderordnungen (beispielsweise Diokletians Edikt über Maximaltarife), wie wir sie aus dem Mittelalter in Europa kennen. Billigere Purpurfärbungen waren allerdings erlaubt, ebenso purpurähnliche Färbungen mit Flechten oder anderen Pflanzen.
Im Zuge der islamischen Expansion im 7. Jhd. kam die Purpurfärberei in der Levante zum Erliegen. Purpurfärber, die von dort in byzantinisches Gebiet zogen, führten die Jahrtausende alte Tradition fort, bis sie durch die Eroberung durch die Türken im Jahr 1453 endgültig zum Erliegen kam. Schon im folgenden Jahr heisst es in einem päpstlichen Erlass, dass die Gewänder der Kardinäle, die bisher mit Purpurschnecken gefärbt waren, fortan mit Kermes zu färben seien, was den Niedergang der Purpurfärberei indirekt bestätigt.
Die Farbe Purpur hat nicht nur Menschen im Mittelmeerraum fasziniert. Die Schnecke Nucella lapillus, die an der europäischen Atlantikküste lebt, ergibt ebenfalls eine sehr beständige purpurne Farbe. In Inishkea North, Co. Mayo in Irland wurden die archäologischen Reste einer Purpurfärberei ergraben, in der Pigmente zum Illuminieren von Manuskripten hergestellt wurden. Von der Qualität des Purpurs aus dieser Schneckenart schwärmte der angelsächsische Mönch und Geschichtsschreiber Beda Venerabilis: „[Die Schnecken ergeben] eine scharlachfarbene Farbe von grosser Schönheit. Sie bleicht weder in der Hitze der Sonne noch im Regen aus, sondern wird umso schöner, je älter sie ist.“
Verfasserin: Marianne Guckelsberger, Reykjavík ,Island
Bilder hinzugefügt von mir


Rot - Cochenille

Kommentare:

  1. Super interessant, ich freu mich schon auf weitere Berichte zu den Färbereien :) LG, Morgan

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